Mi, 20. Juni 2018

"König Nibali"

28.07.2014 14:41

Italien feiert Tour-de-France-Triumphator Nibali

Sechs Jahre nach Marco Pantani haben die Italiener wieder einen Tour-de-France-Sieger. Entsprechend überschwänglich waren die Reaktionen auf den Triumph von Vincenzo Nibali in seiner Heimat. "König Nibali", titelte die "Gazzetta dello Sport" am Montag. Die ansonsten rosafarbene Sportfachblatt war zu Ehren des ersten italienischen Tour-Gewinners seit 1998 in gelb erschienen.

Auch sonst wurde der überlegene Sieg des Sizilianers groß gefeiert. "Italien stößt mit Vincenzo an", schrieb der "Corriere dello Sport", und bei "Tuttosport" war zu lesen: "Der König ist Nibali! Die ganze Welt liegt ihm zu Füßen."

Die Einladung des italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi, der per SMS gratulierte, zu einem Besuch im Palazzo Chigi steht. Vorerst wird Italien auf den Nachfolger des höchst umstrittenen und 2004 gestorbenen Marco Pantani aber noch warten müssen. Erst einmal will der 29-Jährige seinen Toursieg bei den lukrativen Kriterien in Belgien und den Niederlanden versilbern. Auch ein Besuch bei den kasachischen Geldgebern, die Nibalis Gehalt von kolportierten rund vier Millionen Euro jährlich bezahlen, ist noch geplant.

Am 20. August soll Nibali in seiner Heimatstadt Messina, wo am Sonntag Public-Viewing-Bühnen aufgebaut worden waren, geehrt werden. In Paris feierte Nibali seinen ersten Triumph mit seiner Familie und der Astana-Mannschaft. Seine Frau Rachel war mit der wenige Monate alten Tochter Emma angereist, dazu kamen sein Vater Salvatore und seine Mutter Giovanna, die erstmals in ein Flugzeug gestiegen war.

Nibali bleibt bescheiden
In den drei Wochen auf Frankreichs Landstraßen demonstrierte Nibali trotz aller Dominanz Bescheidenheit. Große Sprüche waren ihm fern, Gedanken an eine neue Ära hat er nicht. "Lance Armstrong wollte die Tour siebenmal um jeden Preis gewinnen. Ich habe nicht solche Ansprüche. Wäre ich es dieses Jahr nicht geworden, hätte ich das ohne Bitterkeit akzeptiert", sagte Nibali.

Dabei können sich Nibalis Erfolge durchaus sehen lassen. Als erst sechster Radprofi der Geschichte tritt er dem elitären Kreis der Fahrer bei, die alle drei große Rundfahrten gewinnen konnten. Nur die Franzosen Jacques Anquetil und Bernard Hinault, sein Landsmann Felice Gimondi, die belgische Legende Eddy Merckx und der Spanier Alberto Contador hatten vor ihm außer der Tour auch den Giro d'Italia und die Vuelta in Spanien für sich entschieden.

Nibali: "Habe Sieg härteren Kontrollen zu verdanken"
Glaubt man seinen Wegbegleitern, hätte er noch weitaus mehr Siege errungen, wäre es in den vergangenen Jahren gerechter zugegangen. 2008 hatte er etwa dem mehrfachen Dopingsünder Riccardo Ricco an den Anstiegen nicht folgen können, was ihm "das Herz gebrochen" habe. Der frühere Liquigas-Sportdirektor Stefano Zanatta berichtete, dass Nibali "vor Wut geweint" habe, weil er das Tempo nicht mitgehen konnte. "Dass ich nun Toursieger bin, habe ich den härteren Kontrollen zu verdanken", betonte Nibali.

Trotzdem ist er als neues Gesicht für den Wandel im Radsport schwer zu vermitteln. Sein umstrittenes Astana-Team mit einst überführten Betrügern an der Spitze wie Alexander Winokurow haftet an seinem Image, ähnlich wie die vor Gericht haltlosen Anschuldigungen einer möglichen Zusammenarbeit mit dem lebenslang gesperrten Dopingarzt Michele Ferrari.

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