07.07.2014 17:36 |

Folgt Karsai nach

Afghanistan: Ex-Minister Ghani wird Präsident

Aus der Präsidentenwahl in Afghanistan ist der ehemalige Finanzminister und frühere Weltbank-Volkswirt Ashraf Ghani laut vorläufigen Ergebnissen als Sieger hervorgegangen. Wie die unabhängige Wahlkommission in Kabul am Montag bekannt gab, stimmten 56,4 Prozent der Wähler für Ghani und 43,5 Prozent für seinen Herausforderer, den früheren Außenminister Abdullah Abdullah- der das Wahlergebnis nicht anerkennt.

Der Wahlkommission zufolge gaben bei der Stichwahl um das Präsidentenamt am 14. Juni mehr als acht Millionen Menschen ihre Stimme ab. Das waren deutlich mehr als bei der ersten Wahlrunde Anfang April, als rund sechs Millionen Menschen wählen gegangen waren.

Nach der ersten Runde hatte noch Abdullah vorne gelegen und war daraufhin mit 13 Punkten Vorsprung in das Stichwahlduell mit Ghani gegangen. Der frühere Außenminister erhob unmittelbar nach dem erneuten Urnengang Betrugsvorwürfe rund um die Abstimmung. "Wir akzeptieren die heute verkündeten Resultate nicht und sehen dies als einen Putsch gegen die Stimmen des Volkes an", teilte Abdullahs Sprecher Mujib Rahman Rahimi noch am Montag klar, dass der Ex-Außenminister das Wahlergebnis nicht anerkennt.

Der Vorsitzende der Wahlkommission, Yusuf Nuristani, räumte am Montag ein, es habe Fehler im Wahlprozess gegeben. Es liege nun an der Beschwerdekommission, verbleibende Vorwürfe zu überprüfen. Das amtliche Endergebnis soll am 22. Juli verkündet, der Nachfolger von Präsident Hamid Karsai am 2. August ins Amt eingeführt werden.

Ungestümer Freigeist soll Afghanistan führen
Ghani beschreibt sich selbst als "Freigeist". "Ich habe vor zu reisen, ich bin ein Freigeist, der nicht in einem Palast eingeschlossen bleiben kann", sagte der 65-Jährige zu seinen Plänen als Präsident. Im Wahlkampf versprach Ghani den Ausbau der lokalen Infrastruktur. Bei seinen Wahlkampfauftritten begeisterte der für seinen ungestümen Charakter bekannte Politiker durch seine temperamentvollen Reden, bei denen er scharfe Angriffe mit Scherzen mischte.

Über Rückhalt verfügt der Paschtune, der jüngst vermehrt mit Turban auftritt und seinen Stammesnamen Ahmadsai verwendet, vor allem im paschtunischen Osten und Süden des Landes. Um auch bei den ethnischen Minderheiten im Norden zu punkten, wählte Ghani vor dem Urnengang den Usbeken Rashid Dostum zu seinem Stellvertreter. Die Ernennung des einstigen Kriegsherren brachte dem 65-Jährigen jedoch scharfe Kritik ein, da Dostum für schwere Verbrechen nach dem Sturz der Taliban verantwortlich gemacht wird.

Ghani selbst ist unbelastet durch die Kriegszeit, da er das Land bereits 1977 vor dem Einmarsch der Roten Armee verlassen hatte. In den 1980er-Jahren erwarb er sich internationales Ansehen als Akademiker, als er an mehreren US-Universitäten Politikwissenschaft und Anthropologie lehrte. Im Jahr 1991 wechselte er zur Weltbank. Erst nach dem Sturz der Taliban im Zuge der US-geführten Intervention 2001 kehrte er nach Kabul zurück und diente dem UN-Gesandten Lakhdar Brahimi als Sonderberater.

In der Übergangsregierung von Präsident Karsai war er von 2002 bis 2004 Finanzminister, später leitete Ghani die Nationale Sicherheitskommission. In dieser Rolle überwachte er die Übergabe der Verantwortung für die Sicherheit an die Afghanen. Im Fall seiner Wahl hat er versprochen, das Sicherheitsabkommen mit den USA zu ratifizieren. Zudem sprach er sich für die Aussöhnung mit Pakistan aus - darin liege ein Schlüssel zu mehr Stabilität in seinem Land.

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