Mi, 20. Juni 2018

Einzigartig

07.07.2014 09:36

"Valiant Hearts": Kriegsspiel einmal anders

Das Attentat von Sarajevo auf Erzherzog Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 war der Funken, der den "Weltenbrand" entfachte. 100 Jahre später wird der Opfer des Ersten Weltkriegs gedacht, auch per Videospiel: Mit "Valiant Hearts: The Great War" bringt Publisher Ubisoft das bislang wohl eindringlichste "Kriegsspiel" auf Konsolen und PC. Prädikat: Absolut spielenswert!

Als Gamer ist man Kriege gewohnt. Ganz gleich in welcher Epoche: Es geht dabei immer äußerst blutig und brutal zur Sache. Inmitten von Kugel- und Granatenhagel außer Acht gelassen wird jedoch zumeist das Zwischenmenschliche, die Schicksale hinter den Charakteren und vor allem, welche verheerenden Folgen der Krieg nicht nur für die unmittelbar involvierten Soldaten, sondern auch für die Zivilbevölkerung hat.

Ubisofts "Valiant Hearts: The Great War" ist in dieser Hinsicht ein ganz und gar atypisches Kriegsspiel, das dennoch sämtliche Charakteristika eines solchen aufweist. Ob die zermürbenden Stellungskriege in den Schützengräben, der oft tagelange Beschuss durch schwere Artillerie, der erstmalige Einsatz von giftigem Chlorgas oder das Leid in den Lazaretten – "Valiant Hearts" ("tapfere Herzen") spart nichts aus.

Tragik, Verlust, Freundschaft und Liebe
Inmitten all der Tragik und vieler beklagenswerter Verluste, die den durch das Schicksal untrennbar miteinander verbundenen Hauptcharakteren widerfahren, kommen Liebe und Freundschaft jedoch ebenfalls nicht zu kurz. In Zeiten der Not rücken die Menschen schließlich näher zusammen, mitunter sogar unabhängig davon, welche Uniform sie gerade tragen.

Auch, welche Auswirkungen der Krieg auf das soziale und kulturelle Leben hatte, wird in weiterführenden Informationen, die sich eben nicht nur auf typische Aspekte wie verwendete Waffen oder den Frontverlauf beschränken, thematisiert. Alles in allem sorgt dies dafür, dass "Valiant Hearts" trotz des gänzlichen Verlusts auf explizite Gewaltdarstellung und seiner comicartigen Aufmachung berührt und zu Herzen geht.

Mix aus Knobel- und Geschicklichkeitsspiel
Doch was ist "Valiant Hearts" überhaupt? Der von Ubisoft Montpellier ("Beyond Good & Evil", "Rayman Origins") entwickelte Titel lässt sich am ehesten als Mix aus Knobel- und Geschicklichkeitsspiel beschreiben. In großen Teilen des Spiels gilt es, bestimmte Teile zu finden und miteinander zu kombinieren, um mal mehr, mal weniger knifflige Logik- und Schalterrätsel zu lösen.

Essentiell ist dabei oftmals die Zusammenarbeit der Protagonisten untereinander, allen voran die zwischen Mensch und Hund, vermag es der einzig vierbeinige Held des seitwärts scrollenden Spiels doch, durch Schlupflöcher zu kriechen, Gegenstände zu apportieren und sogar Hebel zu betätigen.

Für die Action vor und nach den Denkaufgaben sorgen kleinere Geschicklichkeitsaufgaben. Mal gilt es während einer rasanten Taxifahrt über den Pariser Champs-Élysées zu Jacques Offenbachs "Cancan" Hindernissen auszuweichen, ein anderes Mal Bombenhagel oder MG-Salven. Schnelles Reaktionsvermögen wird auch bei diversen Quick-Time-Einlagen, etwa beim Verarzten von Verwundeten, und insbesondere den Bosskämpfen verlangt.

Einzigartige Optik
Neben dem erfrischenden Genre-Mix und der intelligenten Erzählweise besticht "Valiant Hearts" vor allem durch seine Optik. Verantwortlich für diese zeichnet einmal mehr Ubisofts eigene UbiArt-Framework-Engine, die zuletzt etwa in "Child of Light" für bezaubernde Aus- und Ansichten sorgte. In "Valiant Hearts" ist der Gesamteindruck zwar ein düstererer, einzigartig ist der Grafikstil mit seinen ungemein liebevoll detailliert animierten Charakteren und Szenerien dennoch. Dass die Musik dazu wie die Faust aufs Auge passt, sei hier nur der Form halber noch erwähnt.

Fazit: "Valiant Hearts: The Great War" ist in vielerlei Hinsicht einzigartig. Wie kaum ein anderer Titel vor ihm verbindet es die schrecklichen Seiten des Krieges mit den schönen Seiten des Lebens zu einer Geschichte, die ergreifend, packend, intelligent und unterhaltsam zugleich ist. Wenn sich zum großen Gefühlskino dann noch (wenngleich nicht zu sehr) fordernde Rätsel- und Geschicklichkeitseinlagen sowie eine erfrischend andere, schaurig-schöne und ihresgleichen suchende Optik gesellen, steht dem noch dazu relativ kostengünstigen (Preis: rund 15 Euro) Spielspaß absolut nichts mehr im Wege. Kurzum: Pflichtspiel!

Plattform: Xbox One, Xbox 360, PS4, PS3, PC
Publisher: Ubisoft
krone.at-Wertung: 9/10

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