Neuauflage in New York

Die „Cats“ sind jetzt queer, ohne Fell und Krallen

Kultur
06.04.2026 12:52
Porträt von krone.at
Von krone.at

Kaum ein Broadway-Start wurde zuletzt so heiß erwartet: In New York feiert am Dienstag eine Neuinszenierung des Musical-Hits „Cats“ Premiere – und rückt statt Katzen queere Kultur in den Mittelpunkt. In „Cats: The Jellicle Ball“ treten schillernde Performer an die Stelle der Tiere, der Schrottplatz wird durch einen Laufsteg ersetzt – und alles mit dem Segen von Musical-Papst Andrew Lloyd Webber. 

Das Stück hat das Kultmusical auf die sogenannte Ballroom-Kultur umgemünzt – eine ab den 1960er Jahren in New York entstandene, queere Subkultur der afro- und lateinamerikanischen LGBTQIA+-Community. In Wettkämpfen wird hier über Outfits und Tanz gerichtet und um Trophäen gerungen. Die sogenannten Balls waren ursprünglich ein Ort für Menschen, die anderswo nicht willkommen waren. Die Parallele zum Plot des Original-Stücks, in dem Straßenkatzen um die Wiedergeburt in ein neues, besseres Leben in einem Wettbewerb antreten, ist dabei unübersehbar.

Vom Original bleibt mehr als Fellohren, Krallen und Schwänze
Die Original-Skripte wurden übernommen, wie sie sind – und hätten perfekt auf die Ballroom-Kultur gepasst, sagte Chasity Moore, die die Glamourkatze „Grizabella“ spielt, in einem Podcast. Die Charaktere sind geblieben, auch wenn man in den Kostümen nur noch Referenzen zum Original findet – Fellöhrchen, Krallen und ein paar Schwänze. Die Texte basieren auf den Gedichten von T. S. Eliot in „Old Possums Katzenbuch“.

 „Cats“ kam 1982 auf die Bühne in New York. Die Ballroom-Szene stand damals in voller Blüte – unweit vom Broadway, aber weitab von jeglicher Anerkennung in der sogenannten Hochkultur. Das Stück sei darum nicht nur eine Hommage an das Original, sondern zeige auch, dass Ballroom einen Platz als Kunstform neben allen anderen verdiene, sagte Direktor Zhailon Levingston in einem Interview des Senders „NPR“. 

Popularisierung einer Untergrund-Kultur
Die Ballroom-Kultur hat in den vergangenen Jahren verstärkt Anerkennung in der breiteren Öffentlichkeit gefunden – auch durch ihre Darstellung in Film und Fernsehen – etwa in der Serie „Pose“, die Ballroom einem globalen Publikum näherbrachte und ihre kulturelle Bedeutung neu ins Zentrum rückte. Auch der mit dem Ballroom verbundene Tanzstil Voguing hat es mittlerweile zu einer Art Bekanntheit im Mainstream gebracht.

Die Dokumentation „Paris Is Burning“ hat die Szene bereits Anfang der 1990er Jahre im Film verewigt. Das Erbe hält auch die Broadway-Produktion in zahlreichen Referenzen an Milieu-Größen hoch. Das Stück ist in vielerlei Hinsicht ein Stilbruch – unter anderem, weil es während der Vorführung auch mal zu einem spontanen Party-Ausbruch kommen kann. Das Publikum kommt vorbereitet, teilweise mit schrillen Outfits und allerlei Utensilien ausgestattet, wie zum Beispiel Fächern, die beim schnellen Auf- und Zuschlagen laute Klack-Geräusche produzieren. Das „Fan-Clacking“ ist fester Bestandteil der LGBTQ+-Ballroom- und Rave-Szene. 

Traumatischer „Cats“-Flop für Webber
Die Adaption des Musicals „Cats“ reiht sich ein in eine Serie von Revivals des Werkes des erfolgreichen Musical-Schöpfers Andrew Lloyd Webber. Webber, auf dessen Genie auch „Jesus Christ Superstar“, „Starlight Express“ und das „Phantom der Oper“ zurückgehen, hat mit seinen Shows über Jahre die großen Bühnen am Broadway und im Londoner West End bespielt.

Dabei war es auch indirekt das Musical „Cats“, das dem Ansehen des Hit-Autors einen Knick einbrachte. Tom Hoopers missglückte „Cats“-Verfilmung 2019 legte einen Schatten über den jahrzehntelangen Kassenschlager. Er habe sich einen Hund anschaffen müssen, um über den Flop des Katzenmusicals hinwegzukommen, sagte Webber in einem Interview kürzlich scherzend.

Trotz Starbesetzung (Taylor Swift, Judi Dench etc.) floppte die „Cats“-Verfilmung von Tom Hooper ...
Trotz Starbesetzung (Taylor Swift, Judi Dench etc.) floppte die „Cats“-Verfilmung von Tom Hooper aus dem Jahr 2019(Bild: © 2019 Universal Pictures)

Für die Neuinszenierung wird das wohl nicht nötig sein. Das Stück wurde bereits als Off-Broadway-Produktion gefeiert. „Selten habe ich erlebt, dass ein Publikum mit so viel Freude und Liebe reagiert“, sagte Webber damals laut einem von mehreren Medien zitierten Statement. „Die Atmosphäre war schlichtweg elektrisierend. „Cats“ und die Ballroom-Kultur entstanden beide in derselben Ära, und ich bin hocherfreut, dass sich ihre Wege all diese Jahre später nun erneut kreuzen.“

Das von Zhailon Levingston und Bill Rauch inszenierte Stück hat am Dienstag seine offizielle Broadway-Premiere im Broadhurst Theatre.

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