Die Steirerin Eva Ursprung ist eine Pionierin der feministischen Kunst. Weil Frauen bei vielen Kulturinstitutionen lange Zeit keine Chance hatten, startete Sie einfach eigene Netzwerke. In einer großen Ausstellung in der Halle für Kunst Steiermark wird sie nun geehrt.
Die Karriere der Eva Ursprung beginnt mit einem Schnitt: „Ich war 16 oder 17 und hab’ ein Video gemacht, in dem ich mich an der Rolle der Frau abgearbeitet habe. Es gibt so viele Erwartungen – wir sollen schön, zart und brav sein. Dabei ist mir der Kragen geplatzt und ich hab’ als Protest meine Haare abrasiert.“ Dieses Video bildete nicht nur den Startschuss für eine einzigartige künstlerische Karriere, die zuletzt auch mit dem Würdigungspreis des Landes Steiermark für bildende Kunst belohnt wurde. Es ist auch der Startschuss für die aktuelle Ausstellung von Ursprung in der Halle für Kunst in Graz.
„Frauen kamen in der Kunst kaum vor“
Denn Ursprung, 1959 in Köflach geboren, hat in vielerlei Bereichen Pionierinnen-Arbeit geleistet. Mit „Eva&Co.“ hat sie 1982 eine der ersten feministischen Kulturzeitschriften Europas ins Leben gerufen. „Damals kamen Frauen in der Kunst kaum vor. In Graz etwa war es uns nicht möglich, eine Galerie für eine Ausstellung zu finden, das hätte damals deren Ruf zerstört. Feminismus war extrem unanständig“, erinnert sie sich.
Also begann sie mit Mitstreiterinnen eigene Strukturen aufzubauen – etwa den Kunstverein W.A.S. Dieser Einsatz blieb international nicht unbemerkt: 1991 wurde sie Präsidentin der „International Association of Women in the Arts“, dem ersten europäischen Dachverband von Frauen in der bildenden Kunst.
Mitbegründerin prägender Institutionen
Bei all der internationalen Arbeit blieb Ursprung aber der Steiermark stets verbunden, war hier etwa an der Gründung des ESC Medienkunstlabors und des Freien Ateliers Schaumbad beteiligt. Mit Veronika Dreier hat sie mit der „Superfrau“ eine Ikone des Feminismus geschaffen, die im Grazer Kulturjahr 2003 eine wichtige Rolle spielte. Und auch historische Impulse setzte sie mit ihrer Arbeit – so brachte sie etwa oft übersehenen Widerstandskämpferinnen gegen das NS-Regime vor den Vorhang.
„Inzwischen sind Frauen in der Kunst salonfähig geworden, und es ist nicht mehr dringlich, eigene Medien zu kreieren“, sagt Ursprung: „Frauen-Netzwerke sind nach wie vor notwendig, um den ständig drohenden Rollback zu verhindern.“ Diesen Rollback – die Rückkehr zu alten Zeiten, die nicht immer besser waren – kritisiert Ursprung auch bei Themen wie Umweltschutz oder Klimawandel. In der aktuellen Ausstellung in Graz beschäftigt sie sich mit dem Element Wasser und wie wichtig für unser Leben, aber auch bedroht es ist: „Vielleicht müssten wir so manche alten Werte und Vorstellungen im Wasser versenken, um etwas Neues und Positives zu schaffen“, sagt Ursprung.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.