Foto-Raritäten

Als die Bilder auch in Graz zu gehen lernten

Steiermark
01.03.2026 09:00

Das Grazer Museum für Geschichte zeigt eine Schau mit Raritäten: In den 1920ern hielten „Gehfotografen“ Passanten in Bewegung fest. Der Trend hielt jedoch nur wenige Jahre. 

In den 1920er-Jahren gab es eine neue Mode unter den Berufsfotografen Europas: „Sie stellten sich in größeren Städten an touristisch frequentierte Orte und machten mit einer eigens dafür entwickelten Kamera eine Serie von Bildern von Passanten, die den Eindruck einer Filmsequenz erzeugen sollte“, erklärt Sammlerin und Kuratorin Mila Palm. Gehfilmer nannte man diese Fotografen daher. „Es war auch eine Reaktion auf die wachsende Popularität der Kinos, wegen der auch die Studioaufträge für Fotografen rückläufig waren. Im Vergleich zu den Studioaufnahmen wirkten diese Gehfilmaufnahmen zudem unmittelbar und dynamisch.“

„Sie sind gefilmt worden“
Es war ein internationaler Trend, der (wie üblich) erst mit ein paar Jahren Verspätung in Graz aufschlug und seine Blütezeit hier um 1930 hatte. Zumindest sieben solcher Gehfotografen gab es in Graz zu der Zeit – von wem die Fotos sind, die Palm in den vergangenen Jahren gesammelt hat und nun im Museum für Geschichte zeigt, kann heute nicht mehr bestimmt werden.

Passanten in Bewegung – solche Bilder-Serien machten die „Gehfotografen“.
Passanten in Bewegung – solche Bilder-Serien machten die „Gehfotografen“.(Bild: Sammlung Mila Palm)
(Bild: Sammlung Mila Palm)
(Bild: Sammlung Mila Palm)

Was man jedoch weiß, ist, dass die Fotografen den Porträtierten damals eine Karte mit dem Hinweis „Sie sind gefilmt worden!“ in die Hand drückten. Wer es sich leisten konnte (und wollte), konnte die entwickelten Bildstreifen wenige Tage später beim Fotografen abholen, oder sich zuschicken lassen. „Sie dienten als Souvenir, wurden als Postkarten versendet oder in Fotoalben geklebt“, erklärt Palm.

„Einblick in den Alltag in Graz“
Bei den Bildern, die sie nun in der Ausstellung zeigt, handelt es sich wohl großteils um Exemplare, die nicht abgeholt wurden. Doch gerade diese Aufnahmen haben durchaus eine Eigenständigkeit, weil sie über die rein kommerziellen Zwecke hinausreichen: Sie zeigen, dass der Fotograf nicht nur potenziell zahlungskräftige Kunden vor die Linse nahm, sondern auch Arbeiter und Kinder: „Auf diese Weise dokumentieren die Aufnahmen die Vielfalt der Stadt und geben einen bemerkenswerten Einblick in den Alltag dieser Krisenjahre in Graz“, erklärt Kuratorin Palm.

Und die Bilder sind auch frühe Vorboten der Lockerheit und der improvisierten Posen, die später etwa in der Straßenfotografie Mode machten und heute auf den Social-Media-Kanälen von unzähligen Influencern zum selbstdarstellerischen Standard geworden sind.

Die Ausstellung „Der Grazer Gehfotograf – Eine Stadt in Bewegung“ ist noch bis zum 31. Mai im Grazer Museum für Geschichte zu sehen.

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