Wirbel um Spezialholz

Wird jetzt der Bogen für Geigenbauer überspannt?

Steiermark
20.02.2026 05:00

Musikhändler in Sorge vor neuen Vorschriften für spezielles Holz: Der Grazer Experte Rupert Hofer rechnet sogar mit einem Preisanstieg bei Geigen und Streichbögen. Noch stehen österreichische Fachhändler aber vor einem großen Fragezeichen, denn offizielle Regeln gibt es hierzulande noch nicht.

Rotbraune Holzbögen stapeln sich in der Grazer Leonhardstraße 36. Im Geigenbau-Atelier von Rupert Hofer gibt es noch genug Bögen im Angebot. Die aktuellen Entwicklungen rund um die Verwendung von Fernambukholz für die Herstellung von Geigenbögen lassen den Bundesinnungsmeister der Muskinstrumentenerzeuger aber nicht kalt. „Wenn Fernambuk nur noch mit maximalem Aufwand verarbeitet werden kann, dann wird die Ausbildung zum Bogenbauer zum Risiko. Das Handwerk verschwindet dann leise.“

Höchster Schutz für spezielle Holzart
Aber worum geht es eigentlich? Im Vorjahr hat Brasilien – einziger natürlicher Produzent der speziellen Holzart – die Hochstufung von Fernambukholz in den strengsten Artenschutzstatus von Cites beantragt, was einem nahezu vollständigen internationalen Handelsverbot gleichgekommen wäre. Die „Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora“, die das Washingtoner Artenschutzübereinkommen bezeichnet und den internationalen Handel mit Tier- und Pflanzenarten regelt, lehnte die Hochstufung zwar ab, verschärfte aber bestehende Auflagen.

Diese Verschärfungen – sie beziehen sich auf den Handel, Besitz, die Reparatur und den Reiseverkehr von Fenambuk – sorgen bei Musikern und Instrumentenbauern nach wie vor für Aufruhr. Das spezielle Holz ist nämlich das zentrale Material für die Herstellung professioneller Streichbögen, wie sie etwa von Geigern und Cellisten verwendet werden. „Formell bleibt Fernambuk zwar in einer Kategorie, die Handel erlaubt. Durch die neue Regulierung entsteht aber voraussichtlich ein engmaschiges Nachweisregime“, klagt Hofer.

Neben Streichbögen werden auch Geigenwirbel und Saitenhalter für die Instrumente aus Fernambuk ...
Neben Streichbögen werden auch Geigenwirbel und Saitenhalter für die Instrumente aus Fernambuk hergestellt.(Bild: Jürgen Fuchs)

Eigenes Zertifikat notwendig
Konkret heißt das: Ein Streichbogen muss ab 5. März vermutlich in einer sogenannten Deklaration genauestens beschrieben und dokumentiert werden. Dadurch soll sichergestellt werden, dass alle verwendeten Materialien legal erworben wurden. Wichtig ist ein solches Zertifikat dann etwa bei einer Zollkontrolle bei Auslandsreisen, aber auch beim Verkauf eines Bogens.

Der Haken an der Sache? „Bis jetzt gibt es in Österreich keine konkreten Angaben, wie das funktionieren soll.“ In Deutschland etwa müssen alle Fernambukprodukte bis 2007 rückdeklariert werden. „Das wäre der absolute Wahnsinn und würde bei mir ein ganzes Jahr lang dauern.“

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Wenn ich für alle seit 2007 verkauften Bögen aus Fernambuk eine Deklaration schreiben muss, dann dauert das ein ganzes Jahr.

Rupert Hofer, Grazer Geigenbaumeister und Bundesinnungsmeister der Musikinstrumentenerzeuger

Keine passenden Alternativen
Ein einfacher Umstieg auf eine andere Holzart ist für Instrumentenhersteller jedoch keine wirkliche Option: „Die physikalischen Eigenschaften – also Elastizität, Dichte und Klangübertragung – von Fernambuk sind einmalig“, erklärt der Geigenbaumeister. Zwar gibt es seit einigen Jahren Bögen aus Carbon, „der Holzbogen ist aber einzigartig“.

Eine angemessene Lösung wäre laut Hofer eine Nachweispflicht für Fernambuk ab 5. März, sodass „alles davor ausgenommen wäre.“ Aber selbst dann sei dem Experten zufolge mit einem Preisanstieg bei Produkten aus Fernambuk zu rechnen: „Die Zeit, die wir für die Erstellung der Deklaration brauchen, schlägt sich dann beim Verkaufspreis nieder.“

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