Der WEV ist auf der ältesten Eisfläche der Stadt am Heumarkt zuhause. Die glorreichen Zeiten sind lange vorbei, der Verein spielt aktuell in der mit Ex-Profis gespickten dritthöchsten Eishockey-Liga des Landes. Am Mittwoch wartet das entscheidende Spiel im Viertelfinale gegen Hohenems in Vorarlberg.
„Es lebe der WEV und sein wundervoller Freiluftplatz!“ Mit diesen Worten heißt man bei Heimspielen des Wiener Eislauf-Verein (WEV) traditionell die Fans auf dem legendären Eisplatz am Heumarkt willkommen. Die Zuseher, die teils aus eingefleischten Fans, teils aus interessierten Eisläufern von der Eisfläche nebenan bestehen, erwartet beim Spielbesuch der „Krone“ auf der ältesten Eisfläche des Landes ein hartes Spiel. Harte Checks und gebrochene Stöcke sind an diesem Abend keine Einzelfälle, die WEV-Cracks lassen dem Gegner auf ihrer Heimfläche keinen Zentimeter.
„Lustig wird’s hier für niemanden, das ist unser Platz“, gibt sich Kapitän Stefan Nador kampflustig. Was den Verein für ihn so besonders macht? „Wir alle teilen uns eine Leidenschaft, es ist sehr familiär.“ Das gilt übrigens nicht nur für seine Kollegen. „Nach einer Partie gehen wir ins WEV-Cafe, trinken auch gerne mit den Schiris und gegenerischen Spielern ein Bier. Auch wenn wir sie vorher im Spiel noch geschimpft haben“, scherzt Nador.
Seit Jahrzehnten ist der WEV fernab des Profibetriebs unterwegs, bis in die späten 80er war man aber Stammgast in der obersten Liga. In seiner Anfangszeit feierte man am Heumarkt sogar 13 österreichische Meisterschaften und acht Vize-Meisterschaften. „Diese Zeiten sind lange vorbei, mittlerweile ist der Profibetrieb hier infrastrukturell und finanziell unmöglich“, erzählt Michael Berger. Der ehemalige Sport-Moderator spielte selbst einst jahrelang für den WEV, brachte es auf über 100 Erstliga-Einsätze. Er hat zwar keine offizielle Rolle mehr im Verein, hilft aber mit, wo es nur geht.
ORF-Legende als Platzsprecher
Beim Besuch der „Krone“ wurde er beispielsweise kurzerhand zum Platzsprecher, heizte den rund 200 Zuschauern ordentlich ein. „Ich bin ein Kind des WEV, das ist für mich eine Herzensangelegenheit. Geld verdient hier natürlich niemand, wir machen alles ehrenamtlich. Daneben gibt es hier zehn bis zwölf Leute, die sämtliche Rollen ausüben und einen Spielbetrieb ermöglichen. Das geht vom Platzsprecher, über den DJ, bis hin zur Kantineurin und dem Fotografen.“
Doch wer jetzt denkt, beim WEV wird nur aus Jux und Tolerei gespielt, liegt falsch! „Viele Junge kommen zu uns und nehmen das Spiel auf die leichte Schulter, ist ja nur die dritte Liga. Man kommt dann aber relativ früh drauf, dass dem nicht so ist. Der eine oder andere hat sich da schon ordentlich geschnitten“, scherzt Nador. Denn der Großteil der Spieler in der Liga sind ehemalige Profis oder haben zumindest diverse U-Mannschaften der größten Teams Österreichs durchlaufen.
Eishockey-Profi ist ein Vollzeit-Job
Vor allem von den Vienna Capitals kommen einige Talente zum WEV, für die der Profisport eine Nummer zu groß war. Warum es bei ihnen nicht zum großen Durchbruch reichte, hat für Nador unterschiedliche Gründe: „Es ist ein Vollzeit-Job, das packen einige Junge nicht. Schwere Verletzungen, fehlendes Talent oder auch einfach zu wenig Glück sind weitere Gründe. Ich wollte damals fast aufhören, da ist alles so bisschen zusammengekommen.“
Nador selbst machte 31 Spiele für die Vienna Capitals, seine Kollegen Patrick Bolterle (30 Einsätze) und Daniel Aschauer (16 Einsätze) schnupperten ebenfalls Erstliga-Luft. Seit Ende Dezember spielt übrigens kein geringerer als Rafael Rotter für den WEV, zumindest wenn es seine Tätigkeit als Individualtrainer bei den Caps zulässt. Der 44-fache Nationalspieler fand nach seinem Karriereende 2024 noch einmal dorthin zurück, wo alles begonnen hatte: beim WEV. Er folgte übrigens einem gewissen Phil Lakos, der Caps-Rekordspieler (949 Einsätze) wollte es ein Jahr nach seinem Karriereende bei den Donaustädtern noch einmal wissen, lief insgesamt neun Mal für den Drittligisten auf.
Doch auch die Konkurrenz des WEV ist gespickt mit vielen ehemaligen Erstliga-Profis. Bei Kapfenberg spielen mit Kevin Moderer (648 Einsätze) und Daniel Oberkofler (801 Einsätze) zwei echte heimische Eishockey-Größen, bei Titelfavorit Lustenau stehen mit David Slivnik (239 Einsätze), Chris D’Alvise (311 Einsätze), Thomas Auer (197 Einsätze) und Martin Grabher (640 Einsätze) gleich vier Spieler mit jahrelanger Ice-Hockey-League-Erfahrung auf dem Eis.
„Wir fahren da nicht zum Spaß hin“
In der aktuellen Saison der 2021 neu gegründeten drittklassigen Ö-Eishockeyliga stehen die Wiener nach Platz 3 im Grunddurchgang im Viertelfinale der Play-Offs. Am Mittwochabend kommt es um 19 Uhr zum dritten und entscheidenden Duell mit Hohenems. Nach einer 1:5-Klatsche in Vorarlberg rettete man sich mit einem knappen 3:2-Heimsieg in das letzte Spiel der „Best-of-3“ Serie, für Kapitän Nador ist die Devise klar: „Das ist ein klassisches „Do-or-Die-Game“, als Sportler gibt es nichts geileres. Wir wollen immer gewinnen, wir fahren nicht zum Spaß nach Hohenems!“
Kilian Wazik
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