„Krone“-Kolumne

Vonns Comeback ist die perfekte Olympia-Story

Olympia
13.02.2026 14:24
Porträt von Ann Sophie Walten
Von Ann Sophie Walten

„Ich habe es versucht, geträumt und bin gesprungen.“ Es gibt Tage, an denen man alles riskiert und gewinnt – wird gefeiert, ist eine Heldin. Und es gibt Tage, an denen man alles riskiert und fällt. Kaum eine Olympia-Geschichte bewegt die Welt so sehr wie die von Lindsey Vonn. Ihr Comeback ist eine Hommage an den Mut – und daran, niemals aufzuhören, an seine Träume zu glauben. Eine Kolumne von „Krone“-Redakteurin Ann Sophie Walten.

Meine Augen sind fünf Tage nach Lindsey Vonns schwerem Sturz beim Olympia-Abfahrtsrennen am Sonntag in Cortina d‘Ampezzo immer noch nass. Für alle, die am Wochenende ohne Internetverbindung waren: Lindsey Vonn, 41, ging an den Start der Olympia-Abfahrt, obwohl sie sich nur wenige Tage zuvor das vordere Kreuzband (ACL) im linken Knie gerissen hatte.

Nachdem sie in den ersten Kurven eine aggressive Linie gefahren war, blieb sie 13 Sekunden nach Beginn ihres Laufs an einem Tor hängen. „Ich war einfach 12 Zentimeter zu hoch“, äußert sich Vonn in einem emotionalen Post auf Instagram.

Die Kollision wirbelte sie durch die Luft, schlug wie eine Stoffpuppe auf der eisigen Piste auf. Für Vonn war das Rennen vorbei. Sie wurde per Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen, wo ein Beinbruch diagnostiziert wurde. Und das Internet? Explodierte – wie so oft nach einem dramatischen Sportmoment. Selbsternannte Kreuzband-Experten in den sozialen Medien erklärten, ihr gerissenes Band habe zwangsläufig zum Desaster geführt.

Andere forderten, das US-Skiteam hätte sie vor sich selbst schützen müssen. Aber ist es wirklich so schwer, die Entscheidung einer erwachsenen Profisportlerin zu akzeptieren? Oder geht es dabei um etwas ganz anderes?

Ich sehe Athleten, die in Trainingsläufen schwer stürzen, Helme und sogar Zähne verlieren – manche schmeißen sich seit Jahren ohne Kreuzband den Hang runter, werden dafür als Helden und „wilde Hunde“ gefeiert.

„Ich stürze lieber und weiß, ich habe 100 Prozent gegeben als mich auf Platz zehn zu Fragen, was ...
„Ich stürze lieber und weiß, ich habe 100 Prozent gegeben als mich auf Platz zehn zu Fragen, was ist falsch gelaufen“, Lindsey Vonn(Bild: GEPA)

Der alpine Skisport, insbesondere die Abfahrt, zählt zu den gefährlichsten Sportarten überhaupt. Die Athleten wissen um das Risiko – auch Lindsey. Um im tierischen Bild zu bleiben: Auch sie ist eine „wilde Sau“.Ihre beeindruckende Karriere hat sie bereits viele Verletzungen gekostet. Und die Entscheidung, noch einmal alles zu riskieren? „Bereue ich auf keinen Fall.“

Vonns Comeback ist in gewisser Weise die perfekte Olympiageschichte – auch ohne Happy End. Ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen: Dezember 2024 in St. Moritz, 11:11 Uhr, als sie erstmals wieder ins Starthaus zurückkehrte. Im Zielraum war es mucksmäuschenstill. Alle warteten gespannt.

In St. Moritz 2025 feiert Vonn ihren 83. Weltcupsieg.
In St. Moritz 2025 feiert Vonn ihren 83. Weltcupsieg.(Bild: GEPA)

Und als sie sich dem Ziel näherte? Eine Welle des Jubels breitete sich aus. Schilder mit der Aufschrift „Lindsey, du inspirierst uns alle“ säumten den Zieleinlauf. Ein Jahr später feierte die 41-Jährige dort ihren 83. Weltcupsieg – eine unglaubliche Zahl.

Auch wenn der Traum von einer Olympiamedaille geplatzt ist: Ihre Comeback-Story bleibt eine Inspiration – ja, selbst mit diesem tragischen Ende, das das Leben kaum treffender beschreiben könnte. Man kehrt mit voller Energie zu seiner Leidenschaft zurück, macht Fortschritte, kämpft sich wieder an die Spitze – und kurz vor dem Ziel macht das Leben einem einen Strich durch die Rechnung.

Es wird immer Menschen geben, die nicht nachvollziehen können, wie es sich anfühlt, sein letztes Hemd für einen Traum zu geben – haben doch die meisten ihre schon aufgegeben. Doch um Träume zu verwirklichen, braucht es Mut und die Bereitschaft, Risiken einzugehen. Oder wie Lindsey selbst schrieb: „Der einzige Fehler ist es, es nicht zu versuchen.“

Sie wird sich von diesem Sturz erholen – mental wie emotional, davon bin ich überzeugt. Eine Kämpferin, die sich nicht zum ersten Mal nach einer schweren Verletzung zurückkämpft. Lindsey ist – und daran gibt es keinen Zweifel – die größte Abfahrtsläuferin unserer Zeit. Und egal, ob sie in den Skizirkus zurückkehrt oder nicht: Diese Entscheidung gehört allein ihr.

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