Das russische Verteidigungsministerium sucht nach neuen Soldaten für das Blutvergießen in der Ukraine – und hat es nun auf Studierende abgesehen. Versprochen wird, dass man „nur“ ein Jahr im Einsatz sei. Doch dabei dürfte es sich um eine glatte Lüge handeln.
Prüfung nicht bestanden – und zur Strafe geht es ab in den Krieg. Was sich nach einem schlechten Scherz anhört, ist die traurige Realität in Russland. Seit dieser Woche bekommen Studierende dort Briefe über eine „militärische Alternative“ zum Studium, berichtet die Medienplattform „T-invariant“. Zum Überlegen wird ihnen demnach nur drei Tage Zeit gegeben.
„Die Prüfungen für das Wintersemester sind vorbei, alle Durchgefallenen sind bekannt und man hat angefangen, die Glückspost zu verschicken. Wir haben nicht wenige, die schlecht sind, weil unsere Uni besonders organisiert ist: Die Prüfungen finden viermal pro Jahr statt. Man kann sich nicht entspannen, es ist sehr leicht, durchzufallen. Ich persönlich muss nicht drei Tage lang nachdenken: Ich habe es geschafft, aus Russland zu emigrieren, für mich ist das einfacher“, erklärt ein Student von der Wirtschaftshochschule Moskau.
Schon viele Unis betroffen
In einschlägigen Foren wird behauptet, dass Studierende von vielen verschiedenen Universitäten derartige Schreiben erhalten hätten. Bekannt sind mitunter auch Fälle von der angesehenen Lomonossow-Universität in der russischen Hauptstadt. Menschenrechtsaktivisten gehen davon aus, dass in Kürze allen Durchgefallenen ein entsprechendes Schriftstück zugestellt werden wird.
„T-invariant“ liegen solche Briefe vor. Frustrierten Studierenden würde darin suggeriert, dass sie bei schlechtem Studienerfolg eine „Alternative“ auf „freiwilliger Basis“ hätten. Um nicht von der Uni zu fliegen (dies passiert in Russland bereits, wenn man ein Semester „versemmelt“, Anm. d. Red.) könnten sie einfach für ein Jahr in den Krieg ziehen und im Anschluss das Studium fortsetzen.
Experten orten gefährliche Falle
Juristen, die sich auf Fragen der Einberufung und der Rechte der russischen Militärangehörigen spezialisiert haben, warnen, dass solche Versprechungen reine PR seien. Die von Kreml-Chef Wladimir Putin erlassene Teilmobilmachung sei nach wie vor aufrecht, entsprechende „Zusatzvereinbarungen“ könnten nicht ernst genommen werden.
Es ist daher davon auszugehen, dass freiwillige Studierende an der Front weder bessergestellt sind noch nach einem Jahr – wenn sie dann überhaupt noch am Leben sind – wieder nach Hause können.
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