Wie lange Menschen leben, soll zu mehr als 50 Prozent von ihren Genen abhängen. Zu diesem Ergebnis ist jetzt eine israelische Studie gekommen, die damit über vorherige Schätzungen hinausgeht, laut denen der erbliche Anteil nur 20 bis 25 Prozent beträgt.
Manche Forscherinnen und Forscher berechneten auch niedrigere Anteile. Für die aktuelle Studie wertete das Team um Ben Shenhar vom Weizmann-Institut in Israel Daten von verschiedenen Zwillingskohorten aus, die zwischen 1870 und 1935 geboren wurden. Todesfälle durch externe Faktoren wie Unfälle oder ansteckende Krankheiten wurden herausgerechnet. Die Forscherinnen und Forscher bezeichnen diese als extrinsische Mortalität und unterscheiden sie von der intrinsischen Mortalität, also den erblichen Faktoren.
Vorherige Studien hätten externe Todesursachen überschätzt beziehungsweise nicht richtig herausgerechnet, argumentierten sie. Die neue Kalkulation für den Einfluss des Erbguts auf die menschliche Lebensdauer ähnelt Schätzungen für andere Spezies wie etwa Mäusen sowie der Erblichkeit von Persönlichkeitsmerkmalen. „Die berichteten Werte einer Vererblichkeit der Lebensspanne von rund 50 Prozent sind zudem auch mit Ergebnissen aus Tiermodellen vereinbar, etwa aus Mausstudien. Eine Verdopplung gegenüber früheren Schätzungen erscheint daher plausibel“, sagte auch Altersforscherin Chiara Herzog vom King‘s College London, die selbst nicht an der Studie beteiligt war.
Nicht auf Gene hoffen
Stephan Getzmann vom Leibnitz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund empfiehlt allerdings nicht, auf gute Gene zu hoffen. „Ob ich mit 80 noch fit bin, habe ich zu einem großen Teil selbst in der Hand.“ Für die Gesundheit im Alter seien nämlich vor allem die Lebensweise und Umweltfaktoren verantwortlich. Die Autorinnen und Autoren schrieben im Fachjournal „Science“, dass nun jene genetischen Varianten identifiziert werden müssten, die der jeweiligen Lebenserwartung zugrunde liegen. Auf diese Weise könnten nämlich die grundlegenden Mechanismen des menschlichen Alterns besser verstanden werden.
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