Gold und Silber erleiden den heftigsten Rückschlag seit Monaten. Auslöser für den Abverkauf ist eine Entscheidung von US-Präsident Donald Trump.
Seit Jahresbeginn hat sich Gold um mehr als 20, Silber um gut 40 Prozent verteuert. Gleichzeitig geriet der Dollar ins Rutschen. Am Donnerstag war das gelbe Metall auf knapp 5600 Dollar pro Feinunze gerast, bevor es am Freitag um rund zehn Prozent abstürzte. Der Preis für eine Feinunze Gold (etwa 31,1 Gramm) kommt nun auf 4852,94 US-Dollar. Seit dem Jahresstart liegt der Goldpreis aktuell aber immer noch etwa zwölf Prozent im Plus.
Silberpreis noch deutlicher gesunken
Beim Silberpreis gab es zum Wochenausklang eine beachtliche Talfahrt von fast 25 Prozent auf 87,76 Dollar zu sehen. Er weist damit im Jänner aber immer noch eine starke Performance von gut 20 Prozent auf. Am Donnerstag hatte Silber ein Rekordhoch von 121,65 Dollar markiert.
Trump nominiert Warsh als Chef der US-Notenbank
Auslöser ist eine Nominierung von US-Präsident Donald Trump. Er will Kevin Warsh an der Spitze der US-Notenbank (Fed) sehen – und diese Ankündigung hat die rasante Rally beim Gold und anderen Metallen vorerst gestoppt.
Orthodoxer Ökonom
Einige Investoren argumentieren, dass eine Fed unter seiner Führung eine restriktivere Geldpolitik verfolgen könnte als von Trump gewünscht. Warsh ist ein orthodoxer Ökonom, lehrt an der Elite-Universität Stanford und war von 2006 bis 2011 bereits Fed-Gouverneur. Damals setzte er sich für Zinserhöhungen ein. Deshalb wurde erwartet, dass Trump eigentlich versuchen würde, einen loyalen Gefolgsmann an der Fed-Spitze zu installieren.
Kampf um niedrigere Zinsen
Die Amtszeit des amtierenden Notenbankchefs Jerome Powell läuft im Mai aus. Trump forderte von ihm wiederholt Leitzinssenkungen – doch die unabhängige Fed widersetzte sich unter Powells Führung. Trump hatte vor der Nominierung eines Nachfolgers wiederholt betont, er wolle jemanden an der Fed-Spitze, der die Zinsen kräftig senkt und so für mehr Wirtschaftswachstum sorgt.
Die Fed sieht dagegen keinen Handlungsdruck. Die Inflation liegt weiterhin deutlich über der Zielmarke von zwei Prozent, der Arbeitsmarkt ist stabil. Niedrigere Zinsen sorgen tendenziell für eine höhere Inflation.
Warsh ist als konsequenter Inflationsbekämpfer bekannt, der eher zu höheren Zinsen tendiert, um so die Teuerungsrate in den Griff zu bekommen. Doch zuletzt zeigte er sich offen für Zinssenkungen. Dennoch wird er weiterhin als jemand gesehen, der sich Trumps Wünschen nicht unbedingt unterordnen dürfte. Warsh gilt als pragmatischer Technokrat, der letztlich die Autonomie der Fed verteidigen könnte.

Verkaufsdruck bei Investoren
Die Aussicht auf weniger niedrige Zinsen als bisher erwartet, setzt Gold und Silber unter Druck. Da die Edelmetalle keine Zinsen abwirft, sinkt ihre Attraktivität gegenüber verzinsten Anlagen wie US-Staatsanleihen. Das sorgte für Gewinnmitnahmen nach einer spektakulären Rallye. Der dadurch ausgelöste Preisverfall dürfte zu Verkaufsdruck bei Investoren geführt haben, die auf steigende Kurse gewettet haben. Das führte zu einer Kettenreaktion.
Der US-Präsident hat hinreichend klargemacht, dass er deutlich niedrigere Zinsen sehen will. Davon wird er wohl kaum schnell ablassen.
Commerzbank-Expertin Thu Lan Nguyen
Expertin beruhigt
Commerzbank-Expertin Thu Lan Nguyen warnt davor, zu viel aus der Nominierung abzuleiten: „Der US-Präsident hat hinreichend klargemacht, dass er deutlich niedrigere Zinsen sehen will. Davon wird er wohl kaum schnell ablassen.“ Man erwarte, dass die Fed auf diesen Druck auch reagieren werde. „Das spricht dafür, dass der Goldpreis grundsätzlich gut unterstützt bleiben wird“, schreibt Nguyen. „Das Ausmaß der Korrektur legt auch nahe, dass Marktteilnehmer nach dem rapiden Preisanstieg nur auf eine Gelegenheit für Gewinnmitnahmen gewartet haben.“
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