Die Grazer Innenstadt kämpft: leer stehende Geschäfte, sinkende Frequenzen. Für eine neue Studie wurden 1000 Personen aus Graz und Graz-Umgebung befragt, was ihnen fehlt. Nun wird überlegt, wie man die Stadt attraktiver machen kann.
Benetton, Salamander, The Body Shop, Stiefelkönig, Zara, H&M – in den letzten Jahren zogen einige Geschäfte aus der Grazer Innenstadt ab. Zudem wurden Parkmöglichkeiten reduziert, die Öffi-Preise zogen stark an. Freilich wurde der Fahrradverkehr ausgebaut und auch neue Straßenbahnlinien geschaffen, doch der Besucherstrom im Zentrum leidet.
Das belegt eine aktuelle Studie von mResearch. Am Montag wurden die Ergebnisse von „Innenstadt Graz unter der Lupe“ präsentiert. 500 Personen aus Graz und 500 Personen aus Graz-Umgebung wurden im Oktober 2025 befragt (online und telefonisch), warum sie in die Innenstadt kommen und was sie davon abhält.
Bewohner aus dem Umland kommen seltener als früher
Die Besuchshäufigkeit hat vor allem bei Personen aus Graz-Umgebung abgenommen. 44,8 Prozent geben an, seltener als früher die Innenstadt zu besuchen. Bei den Grazerinnen und Grazern kommen 39,6 Prozent seltener als früher. Bei den Grazern kommen 3,5 Prozent „gar nicht mehr“, bei den Bewohnern aus GU sind es sogar 12,1 Prozent. Einen Unterschied gibt es auch bei den Geschlechtern, zeigt mResearch-Geschäftsführer Peter Maderl auf. Männer bleiben konstanter, während Frauen häufiger von rückgängigen Frequenzen berichten. 30 Prozent der Befragten aus dem Umland kommen ca. ein bis zwei Mal im Monat ins Zentrum, bei den Grazern fast 30 Prozent einmal die Woche.
Gastro, Treffen und Shopping motivieren
Die Hauptgründe für einen Aufenthalt im Zentrum sind bei allen Befragten Gastronomiebesuche (57,5%), Treffen mit Freuden (54,3%), Shopping (46,6%) und bei den Grazern vor allem auch der Gang auf ein Amt.
Ein Endgegner sind Shoppingzentren, die ein breites Entertainment-Programm für Jung und Alt anbieten. „Es gibt Handlungsbedarf, Graz muss attraktiviert werden“, sind sich Wirtschaftsstadtrat Kurt Hohensinner (ÖVP) und Bernhard Bauer, Regionalobmann der Wirtschaftskammer, einig.
Wenig und zu teures Parken
Als zentrale Hürde werden von den Befragten Probleme beim Parken genannt: Parkplatzsuche, gefolgt von der Verkehrssituation bis zu hohen Parkkosten. Die Parkplatzsuche nervt dabei Leute aus GU noch stärker als Grazer. Auch die Schließung von Geschäften ärgert die Menschen. Gerade Personen aus dem Umland geben an, dass die Angebote in der Nähe ihren Bedarf abdecken.
Längere Gastgarten-Öffnungszeiten, mehr Tiefgaragen
Hohensinner und Bauer lassen mit einem Vorschlag aufhorchen. Derzeit müssen Grazer Gastgärten im Sommer (also von 15. Juni bis 15. September) um 23.30 Uhr schließen, man schlägt 24 Uhr vor. „Alle anderen Landeshauptstädte außer uns haben das“, so Bauer. „Dort, wo es geht, bin ich für eine Verlängerung der Öffnungszeiten. Man muss das evaluieren“, fügt Hohensinner an.
Außerdem braucht es mehr Tiefgaragen, wenn es nach ihm geht. „Etwa eine Hochgarage am Andreas-Hofer-Platz.“ Wichtig sei der Anschluss an eine Straßenbahnstation, wie man aus Umfragen weiß. Außerdem brauche es ein Parkleitsystem („ich werde im April Varianten präsentieren“) und eine gemeinsame Parkkarte für die unterschiedlichen Parkgaragen.
Wir stehen in einem Städtewettbewerb, das muss uns bewusst sein.
Bernhard Bauer, WK-Regionalstellenobmann
Das Murufer einbinden
Was neben Parken, Gastro und einem besseren Branchenmix für die Leute auch wichtig wäre, ist die bessere Einbindung der Mur ins Stadtbild (40,3%). „Wir brauchen Alleinstellungsmerkmale wie etwa eine Surfwelle, die schon einmal geplant war“, sagt Bauer. Durch eine höhere Besucherfrequenz ließen sich auch wieder mehr Geschäfte in die Innenstadt locken.
Auch Sicherheit und Sauberkeit beschäftigen die Befragten. Hier müsste laut Hohensinner zum Beispiel an den öffentlichen Toilettenanlagen gearbeitet werden.
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