Im Netz sind bizarre, mittels KI generierte Bilder aufgetaucht, die die Angst vor einer Bargeld-Krise in Österreich schüren soll. Direkt zielt die Desinformation auf die Raiffeisenbank – nicht das einzige Indiz, dass Russland hinter der Kampagne steckt.
Es ist ein beunruhigendes Bild: Menschen, die in einer langen Schlange und mit besorgten Mienen vor einer Filiale der Raiffeisenbank anstehen, unterlegt mit den Worten: „Was verschweigen die Banken? Live-Bilder aus Wien zeigen das ganze Ausmaß der Bargeld-Krise“.
Falsches Logo, falscher Name
Alles an dieser Werbeanzeige, die Nutzern auf Google angezeigt wird, ist gelogen. Es gibt keine Bargeld-Krise in Österreich, das Bild wurde mittels Künstlicher Intelligenz erstellt. Die Menschen sind deformiert, das Raiffeisen-Logo falsch und wer genauer hinsieht, liest „Raifleisen“.
Die Darstellung soll Panik auslösen und Einleger dazu bewegen, ihre Ersparnisse abzuheben.

Dmytro Kornienko, Gründer internationalen Analysplattform Resurgam
Bild: zVg
Wer erstellt so ein Sujet und zu welchem Zweck? Verbreitet wurde die Anzeige von Werbeträgern aus Indien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Südkorea. Für den ukrainischen Desinformationsexperte Dmytro Kornienko ein Hinweis, dass hinter der Kampagne Akteure aus Russland stecken. Sollten auch Accounts aus Afrika identifiziert werden, wäre das ein klares Indiz. „Russische Botfarmen beziehen häufig Akteure aus Afrika und Asien ein“, so Kornienko zur „Krone“.
Kreml will Raiffeisen-Rückzug verhindern
Ein weiterer Hinweis ist die Situation der Raiffeisenbank International (RBI). Die Bank will ihr Russland-Geschäft aufgeben, auch auf Druck von Brüssel hin. Ein Rückzug würde das russische Bankensystem empfindlich treffen, weshalb ihn der Kreml mit allen Mitteln verhindern will. Die Desinformation im Netz passt für Kornienko ideal dazu. Sie sei ein Angriff mit psychologischen Mitteln, um den Rückzug vom russischen Markt zu blockieren, oder sich im äußersten Fall dafür zu rächen.
Die Kampagne habe das Ziel, „Panik auszulösen und Einleger - gerade in Österreich und gerade bei dieser Bank – dazu zu bewegen, im Umfeld künstlich erzeugter Panik ihre Ersparnisse abzuheben. Auf diese Weise wird die Bank faktisch in Bezug auf das Schicksal ihrer Moskauer Niederlassung erpresst, und die Verluste durch den Rückzug aus Russland sollen vor dem Hintergrund allgemeiner Probleme noch schmerzhafter gemacht werden“, erklärt Kornienko.
Thema sorgfältig ausgewählt
Schon in der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass Propaganda, hinter der das russische Regime steckt, präzise solche Themen aufgreift, die in den Zielländern kontrovers diskutiert werden und Emotionen anstoßen. Das ist auch hier der Fall: Österreich hängen sehr am Bargeld und seit langem gibt es Ängste und Verschwörungsmythen in Österreich, dass das Bargeld knapp oder gar abgeschafft werden könnte – obwohl es durch EU-Recht eindeutig als Zahlungsmittel geschützt ist.
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