Rund 31.000 Jobs zählt die Automotive-Branche in Oberösterreich – aktuell leidet sie unter der schwächelnden deutschen Industrie. Der ehemalige Finanzminister der Bundesrepublik und Ex-FDP-Chef Christian Lindner hat bei einem Linz-Besuch aus seiner Sicht folgendes Rezept gegen die Krise: „Weniger Politik.“
Es ist nicht nur ein leichtes Stottern im Motor, es kommt einer Vollbremsung gleich: In der deutschen Autobranche mit derzeit rund 720.000 Beschäftigten könnten bis 2035 weitere 90.000 Jobs verloren gehen, wie eine Studie des Verbands der Automobilindustrie zeigt. Der operative Gewinn der Fahrzeughersteller im Nachbarland ist im dritten Quartal 2025 bereits um drei Viertel auf 1,7 Milliarden Euro eingebrochen.
Konkurrenz für heimische Industrie nimmt zu
Diese Vollbremsung hat auch Auswirkungen auf Oberösterreich, denn die hiesigen Zulieferbetriebe hängen stark an der deutschen Industrie. Insgesamt zählt der Automotive-Sektor im Land ob der Enns rund 31.000 Beschäftigte. Kann die Branche denn wieder zurück in die Überholspur finden?
„Die Autoindustrie hat eine Zukunft. Die deutsche Automobilindustrie und damit auch die Komponenten aus Österreich sind immer noch weltweit mit führend, aber mit zunehmend starker Konkurrenz. Damit konnten wir in der Vergangenheit aber auch umgehen“, sagt Christian Lindner. Der ehemalige Parteichef der liberalen FDP in Deutschland und Ex-Finanzminister – Kritiker werfen ihm vor, 2024 die deutsche Ampelkoalition gesprengt zu haben – war am Donnerstagabend zu Gast beim Neujahrsempfang der Oberbank in Linz.
Nachfrage soll über Antriebsart entscheiden
Inzwischen arbeitet Lindner bei einem Autohandelskonzern – seine politischen Ansichten (mehr Markt, weniger Staat) hat der Ex-Minister jedoch nicht abgelegt. So meinte er beim Besuch in Linz: „Was unsere Automobilindustrie braucht, ist weniger Politik.“ Zu den viel diskutierten Verbrenner-Regeln der EU sagt Lindner: „Wir brauchen eine Technologieoffenheit, wo Nachfrage entscheidet, welches Konzept zum Tragen kommt, und nicht das, was Politiker sich wünschen.“
„Berechenbarkeit als Standortfaktor entdeckt“
Bei Klimaschützern, die auf einen Ausbau der Elektromobilität pochen, wird sich der ehemalige Politiker damit keine großen Freunde machen. Und auch innerhalb der Autobranche kritisierten zuletzt viele: Das Hin und Her der EU zum Thema Verbrenner mache Planungssicherheit schwierig.
Dabei betont Lindner selbst angesichts der globalen Verwerfungen rund um US-Zölle und Co. die Stabilität als Wettbewerbsvorteil: „Wir haben in Europa plötzlich Berechenbarkeit als Standortfaktor entdeckt.“
Prominenz bei Wirtschafts-Neujahrsempfang
Rund 1500 Gäste besuchten den Neujahrsempfang der Oberbank am Donnerstagabend in Linz – darunter viele Spitzen aus Politik und Wirtschaft.

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