Was mit einzelnen Hilfsprojekten begann, wurde zu einer persönlichen Mission. Beim Sternsingen in Fernitz (Graz-Umgebung) nahm Josef Windisch nun Abschied ...
An viele Türen hat Pfarrer Josef Windisch geklopft, Häuser und Wohnungen im Pfarrverband Fernitz-Kalsdorf gemeinsam mit den Sternsingern besucht. Für den beliebten Priester eine Art Abschiedstour, denn im neuen Jahr geht es fix in die Sehnsuchtsheimat Tansania. In jenes ostafrikanische Land, das heuer mit den Sternsinger-Spenden unterstützt wird.
„Eindrücke haben mich nicht mehr losgelassen“
„Die Sehnsucht nach Afrika steckt seit Kindheit in mir. Ich war x-mal in Tansania, insgesamt bringe ich es auf ein ganzes Jahr“, rechnet der 51-jährige Priester die Zeiten in Kilema nahe dem Kilimandscharo zusammen. Nicht als Besucher, sondern als Helfer und Brückenbauer zwischen zwei Welten. „Die Eindrücke bei meiner ersten Begegnung 2009 haben mich nicht mehr losgelassen. Es gibt weder Trinkwasser, Toiletten noch Strom, zum Waschen reicht ein Kübel kaltes Wasser. Jeder Hühnerstall bei uns ist schöner als die Hütten, in denen die armen Menschen leben.“
Doch das hat sich in den letzten 17 Jahren verändert. Viele wohlwollende Helfer und Gönner haben gemeinsam mit dem gebürtigen weststeirischen Priester und seinem Schwager Walter Koch Hilfsgüter und Geld gesammelt, um mit konkreten Projekten die Armut zu mindern. „Ohne viel Werbung sind bislang 1,2 Millionen Euro gespendet worden.“
Herzeige-Berufsschule in Tansania
Der Bau von Wasserleitungen, einer Küche für eine Volksschule und Frauen-Förderungsinitiativen waren die ersten Projekte. Kinder kommen nicht nur in die Schule, um zu lernen, sondern auch, um eine Mahlzeit zu erhalten. In der neu errichteten P.A.P.A.-Bridge-Berufsschule werden Hunderte Menschen in 18 handwerklichen Berufen ausgebildet bzw. haben bereits ausgelernt. Vom Tischler, Maurer, Bäcker bis hin zur Fahrschule.
„Ich kenne keine andere Berufsschule in Tansania, in der so viele Handwerksberufe erlernt werden können. Wir können ganze Häuser bauen. Es ist Hilfe zur Selbsthilfe“, freut sich der Auswanderer über das Herzeigeprojekt, das mit einer Wasserabfüllanlage glänzt. „Unsere Abfüllanlage ist die einzige in ganz Afrika außer jener von Coca-Cola.“
Viele Kinder gehen in die Schule, um auch etwas Essen zu bekommen. „Um zehn Euro kann ein Kind einen Monat lang essen und zur Schule gehen“, rechnet der Priester vor, der mittlerweile auch Swahili spricht und sich den Gepflogenheiten und der Kultur angepasst hat. „Ich merke erst jetzt, in welchem Hamsterrad ich mich abstrample. Mein Körper signalisiert mir, dass es so nicht weitergehen kann.“
Ein Beweggrund, das Heimatland im Juli zu verlassen, „in dem viel gejammert, das Schöne und Gute nicht mehr gesehen wird und wir die Herzlichkeit und Einfachheit verlernt haben“. Wehmut macht sich im Pfarrverband breit, dass ihr leutseliger Dorfpfarrer schon bald 7000 Kilometer Luftlinie von der Steiermark entfernt seine neue Bleibe findet. Seit 2012 ist Josef Windisch Pfarrer von Fernitz und Kalsdorf. „Schade, dass du gehst, wir können es nicht verstehen“, hört es der beliebte Priester immer wieder, dem einige steirische Helfer-Herzen nachfliegen werden.
Auch ein Arzt wird helfen
Anfang August pilgert die gesamte Jugendkapelle Fernitz nach Tansania, eine Jugendgruppe will für zwei Wochen beim nächsten großen Afrika-Projekt mithelfen. „Es soll ein Spital mit Sachspenden aufbaut werden. Es hat sich sogar ein pensionierter Arzt gemeldet, der mir dabei helfen will.“
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.