Ein gebürtiger Kärntner (57) sperrte vier Florianis bei einem Löscheinsatz im Waldviertel (NÖ) mit sich im Zimmer ein. Er wehrte sich gegen die Rettungsversuche, ein Feuerwehrmann wurde dabei verletzt. Nun stand der Mann wegen Brandstiftung und Mordversuch vor Gericht.
Es war der 29. August des Vorjahres, an dem ein 57-Jähriger mit seinem „absurden Verhalten“ Leben gefährdete. Und zwar jenes derer, die versuchten, seines zu retten – die Einsatzkräfte der Feuerwehr! Nun musste sich der gebürtige Kärntner wegen versuchten Mordes und Brandstiftung vor Gericht verantworten. Nach der Trennung von seiner langjährigen Lebensgefährtin bezog er seine alte Wohnung im Waldviertel. Die abgeschlossenen Aufräumarbeiten wollte er mit einer „Gleichenfeier“ begehen. Und legte dabei Feuer. Ob mit Absicht, galt es jetzt von den Geschworenen zu klären.
„Ich wollte nur am Balkon grillen“, erklärt der Angeklagte. Mit knapp zwei Promille nach Bier und Wodkakonsum holt er einen Topf, füllt ihn mit zwei Holzscheiten, Papier und Holzspäne, leert Feuerzeugbenzin darüber – und zündet es an. Dann verlässt er den Balkon für einen Moment. Lodernde Flammen und starker Rauch sind die Folge.
„Ich bin ja kein Brandexperte. Nachdem ich hörte, dass die Feuerwehr alarmiert ist, wollte ich den Job den Profis überlassen“, so der Angeklagte. Doch anstatt sich von der alarmierten Feuerwehr unter akuter Lebensgefahr evakuieren zu lassen, wehrte er sich gegen die Rettungsversuche. Vielmehr sperrte er sich und vier Kameraden im Zimmer ein, riss einem Floriani sogar den Schlauch von der Atemschutzmaske. „Jetzt kommt hier niemand mehr raus“, soll er mit einem Lächeln gesagt haben.
„Hätten nur höflich bitten müssen ...“
Nur mithilfe eines Schnitzelklopfers und Fußtritten gelang es dem Floriani, die Tür einzuschlagen. Doch auch dann wollte der Mann sich nicht ohne Widerstand evakuieren lassen. Vor Gericht meint der 57-Jährige, sie hätten ihn nur höflich darum bitten müssen.
„Wir waren sehr überrascht von dem Verhalten. Man kommt rein, um zu helfen, und wird von der Situation überrascht. Das war schon nicht ohne“, so ein Kamerad im Zeugenstand. Der Angeklagte habe die Situation „ganz lustig gefunden“ und war sich der Gefahr anscheinend nicht bewusst. Ein Floriani erlitt eine leichte Rauchgasvergiftung. Es entstand ein Brandschaden von 10.000 Euro. Bereits die Wochen zuvor soll es Probleme mit den Nachbarn wegen der Grillereien des 57-Jährigen am „zugemüllten“ Balkon gegeben haben.
„Keine böse Absicht dahinter“
Aus Sicht der Staatsanwaltschaft ein völlig absurdes Verhalten. Hier habe ein geistig gesunder, intelligenter, zurechnungsfähiger Mann für die Feuerwehrmänner lebensgefährlich agiert: „An einer Rauchgasvergiftung kann man sterben. Das hat der Angeklagte in Kauf genommen“, bekräftigt die Staatsanwältin in ihrem Schlussplädoyer die Anklage wegen Mordversuchs. Aus Sicht des Verteidigers steckte zu „keiner Minute und zu keinem Zeitpunkt“ eine böse Absicht dahinter.
Der 57-Jährige wurde wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und Widerstands gegen die Staatsgewalt zu 16 Monaten Haft, davon zwölf Monate bedingt, verurteilt. Vom Vorwurf des versuchten Mordes sprachen ihn die Geschworenen frei. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.
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