7. April 2014

Radetzkymarsch statt Hass-Gesängen

Sport
07.04.2014 09:17
Nachdem die Schläger gestern ihre Fäuste in den Hosentaschen ließen, können wir die Diskussion wieder versachlichen: Wie geht man mit gewaltbereiten Fußball-Anhängern um?

Instinktiv verteidigen manche Funktionäre und viele Fans ihre kritisierten Klubs – wie Boxer, die angegriffen werden. Das verbale Wegducken manifestiert sich in gelegentlich geäußerten Zweifeln, etwa an der Rapid-Verbindung der Verbrecher, die den Austria-Spieler Valentin Grubeck niedergeschlagen haben. Die ist tatsächlich schwer zu beweisen: Sind sie keine eingetragenen Mitglieder, geht’s um die innere Einstellung – und die ist kaum überprüfbar. Wer einen grün-weißen Schal um den Hals hat, muss kein Rapid-Fan sein; und trägt jeder Verein für alle Personen die volle Verantwortung, die behaupten, Anhänger zu sein?

So kann man zwar elegant und juristisch sattelfest ausweichen, den Kampf um einen friedlichen Fußballsport wird man aber verlieren: Hätten die Engländer nach der Tragödie im Heysel-Stadion 1985 ähnlich reagiert, gäbe es auf der Insel immer noch jede Meisterschaftsrunde ein paar Tote. Doch dort hat man die Extremisten dank gesetzlicher Reformen, rigoroser Überwachung und drastisch erhöhter Eintrittspreise aus den Stadien gebracht – es gibt diese Verrückten immer noch in der Gesellschaft, aber kaum mehr beim Sport.

Natürlich geht das stets auf Kosten der Stimmung, die selbst im fanatischen Liverpool nur noch lauwarm ist: Väter und Mütter mit ihren Kindern sind eben weniger laut als eingeschworene Hooligans, die für ihren Verein töten würden.

Der ÖFB hat allerdings bewiesen, dass auch ein Mittelweg möglich ist: Die Länderspiele im Happel-Stadion sind bestens besucht, es gibt keine Ausschreitungen, und die Atmosphäre prickelt voller positiver Energie. Statt Hass-Gesängen kann man auch zum Radetzkymarsch klatschen. Man muss dazu nur das richtige Publikum anziehen.

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