21.11.2013 08:01 |

Positiver DNA-Test

Schüsse in Paris: Attentäter gefasst

Nach den mysteriösen Schüssen auf eine Bank und in einer Zeitungsredaktion in Paris ist der Attentäter gefasst worden. Ein am Mittwochabend festgenommener Mann sei durch eine DNA-Analyse als Schütze identifiziert worden, sagte eine Sprecherin der Pariser Staatsanwaltschaft. Bei dem Festgenommenen handelt es sich nach Angaben der Polizei um einen 48-jährigen Mann namens Abdelhakim Dekhar, der 1998 in einem anderen Kriminalfall zu vier Jahren Haft verurteilt worden war.

Der Mann war am Mittwochabend nach einem Augenzeugenhinweis in einem Parkhaus im westlichen Pariser Vorort Bois-Colombes aufgespürt worden. Der DNA-Test habe laut Ermittlern ergeben, dass der Festgenommene der Täter sei. Das Motiv des Mannes, der früher dem linksextremen Milieu angehörte, ist aber weiter unklar - er musste wegen seines schlechten Gesundheitszustandes ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Nach einem Zeugenaufruf und der Veröffentlichung mehrerer Fotos des Verdächtigen waren Hunderte Anrufe bei der Polizei eingegangen, die eine Großfahndung einleitete.

23-jähriges Schussopfer wieder bei Bewusstsein
Der 48-Jährige hatte Montag früh erst bei der linksliberalen Zeitung "Liberation" das Feuer eröffnet und einen Fotografen-Assistenten schwer verletzt. Der 23-Jährige wurde in Brustkorb und Unterleib getroffen und war zunächst in einem "hoffnungslosen" Zustand, wie Verlagsdirektor Nicolas Demorand noch am Dienstag erklärte. Medizinern zufolge ist der Angeschossene nun aber wieder bei Bewusstsein und nicht mehr auf künstliche Beatmung angewiesen.

Kurz nach dem ersten Attentat schoss Dekhar auch im Geschäftsviertel La Defense um sich und nahm danach einen Autofahrer als Geisel. Der Pkw-Lenker, der mit dem Schrecken davonkam, berichtete, der Mann habe ihm erzählt, er komme "aus dem Gefängnis" und sei "zu allem bereit". Außerdem habe er behauptet, auch eine Handgranate bei sich zu haben.

Schütze ließ sich von Geisel bei Metro-Station absetzen
Dekhar, der laut Polizei vermutlich ein Einzeltäter ist, ließ sich von dem Autofahrer in der Nähe der Champs-Elysees absetzen. Dort verschwand er in der nahegelegenen Metro-Station Concorde, wo er seine Flucht offenbar mit der U-Bahn fortsetzte.

Der Schütze benutzte den Ermittlern zufolge bei seinen Attentaten ein Gewehr mit einem abgesägten Lauf. Damit hatte er am Freitag bereits einen Chefredakteur des Informationssenders BFM TV in der Eingangshalle des Gebäudes bedroht - ohne allerdings Schüsse abzugeben. "Nächstes Mal werde ich euch nicht verfehlen", drohte er dort vor seiner Flucht.

An "Affäre Florence Rey" mit fünf Toten beteiligt
Dekhar war 1994 an der sogenannten Affäre Florence Rey beteiligt, einem chaotisch verlaufenen Überfall von Linksextremen auf die Wachmannschaft eines Parkplatzes, der schließlich mit einer Verfolgungsjagd und einer fatalen Schießerei endete, bei der drei Polizisten, ein Taxifahrer und Audry Maupin, einer der zwei Täter, starben.

Dekhar, der damals an dem Einbruch auf das bewachte Parkplatzgelände, aber nicht an der Schießerei beteiligt war, wurde in dem anschließenden Prozess vom Vorwurf des bewaffneten Überfalls freigesprochen, jedoch wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung zu vier Jahren Haft verurteilt.

Da die Untersuchungshaft angerechnet wurde, war er unmittelbar nach dem Prozess im Oktober 1998 wieder freigekommen. Die Haupttäterin Florence Rey hingegen wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt - 2009 wurde sie wegen guter Führung entlassen. Zeugen hatten während des Prozesses Dekhar als eigentlichen Anstifter der Tat und Manipulator der damals 19-jährigen Florence Rey und ihres 22 Jahre alten Komplizen Audry Maupin beschrieben.

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