Mysteriöser Fall

Spion tot in Sporttasche - für Polizei ein Unfall

Ausland
14.11.2013 11:58
Vor drei Jahren wurde die Leiche des britischen Geheimagenten Gareth Williams in seiner Badewanne gefunden - in einer von außen verschlossenen Sporttasche. Nun hat die Polizei mitgeteilt, dass der 31-Jährige vermutlich allein in die Tasche gestiegen und durch einen "tragischen Unfall" ums Leben gekommen sei. Das widerspricht Erkenntnissen der Gerichtsmedizin, wonach jemand in den Tod verwickelt gewesen sein dürfte. Williams' Familie zeigte sich von der Polizei enttäuscht.

Der Tod des Codeknackers, der für den britischen Auslandsnachrichtendienst MI6 gearbeitet hatte, hatte in Großbritannien zu Spekulationen über einen möglicherweise hausintern angeordneten Mord geführt. Die verweste Leiche des begabten Mathematikers war im August 2010 gefunden worden. Sein nackter Körper befand sich in einer roten Sporttasche, die - mit einem Vorhängeschloss gesichert - in der Badewanne seiner Wohnung lag. Festnahmen gab es in dem Fall bisher nicht.

"Ich bin überzeugt davon, dass Gareths Tod nichts mit seinem Beruf zu tun hatte", kommentierte Martin Hewitt von der Londoner Polizei das neue Ermittlungsergebnis bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Allerdings räumte er ein, dass ihm einige "seltsame" Details zu denken gäben.

Keine DNA-Spuren gefunden - auch nicht von Williams
So wurden weder DNA-Spuren an dem Vorhängeschloss noch Fingerabdrücke auf der Badewanne gefunden. Geputzt worden sei allerdings vermutlich nicht, schließlich habe man in der Wohnung sehr wohl DNA-Spuren gefunden - zehn von 15 seien allerdings derzeit nicht auswertbar. Das sei erst bei Fortschreiten der Kriminaltechnik in der Zukunft denkbar.

Wie also Williams in die Tasche gekommen sein und das Schloss versperrt haben soll, bleibt ein Rätsel. Zudem waren die Heizkörper der Wohnung trotz sommerlicher Außentemperaturen voll aufgedreht.

Wollte weg vom MI6
Gareth William soll ein unauffälliger junger Mann gewesen sein. Eher in sich gekehrt, ein begeisterter Hobby-Radrennfahrer aus der walisischen Provinz. Kurz vor seinem Tod hatte er seine Zuordnung vom GCHQ-Hauptquartier in Cheltenham zum MI6 nach London beenden wollen - zu hektisch sei ihm das Stadtleben an der Themse gewesen, zu überspannt die Kollegenschar mit ihren täglichen Trinkgewohnheiten nach der Arbeit.

Ging ein Bondage-Spiel schief?
Nicht äußern wollte sich Hewitt bei der Pressekonferenz zu Spekulationen, wonach Williams' Tod mit seiner angeblichen Vorliebe für Entfesselungskünste zu tun haben könnte. Nach dem Tod wurde er in Medienberichten in die Nähe von Schwulenszene und Transsexualität gerückt. In seinem Appartement sollen teure Frauenkleider gefunden worden sein, auf seinem Computer Hinweise auf Kontakte zur Bondage-Szene. Eine Ex-Vermieterin fand sich, die aussagte, sie habe ihn einmal von einer Selbstfesselung am Bett befreien müssen.

Polizei glaubt nicht an Geheimdienst-Mord
"Die meisten grundlegenden Fragen zu Gareths Tod bleiben offen", zog Hewitt Bilanz. "Es ist unwahrscheinlich, dass sein Tod jemals zufriedenstellend aufgeklärt wird", fügte er hinzu. Eine Mittäterschaft des Geheimdiensts und Täuschung der Ermittler halte er aber für unglaubwürdig. Die Polizei gebe sich einstweilen damit zufrieden, dass es einem Mann von der Statur und Körperkraft Williams' "theoretisch möglich" sei, sich selbst in einer derartigen Tasche einzuschließen.

Erstickt oder vergiftet?
Gerichtsmedizinerin Fiona Wilcox hingegen hatte ihre forensische Untersuchung im vergangenen Jahr mit dem Ergebnis beendet, dass Williams wohl entweder erstickt oder vergiftet worden sei. Ihr war nach eigenen Angaben aber auch bekannt, dass andere Entfesselungskünstler schon in ähnlich aussichtslosen Situationen aufgefunden worden seien.

Familie von Polizei enttäuscht
Die Familie des Toten neigt weiterhin der Ansicht von Gerichtsmedizinerin Wilcox zu, wonach Williams zum fraglichen Zeitpunkt nicht allein in seiner Wohnung gewesen sein könnte. "Wir sind natürlich enttäuscht, dass es immer noch nicht möglich ist festzustellen, wie Gareth gestorben ist, und dass die Umstände seines Todes immer noch unbekannt sind, trägt zu unserer Trauer bei", ließ die Familie in einer Stellungnahme wissen.

Loading...
00:00 / 00:00
play_arrow
close
expand_more
Loading...
replay_10
skip_previous
play_arrow
skip_next
forward_10
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
explore
Neue "Stories" entdecken
Beta
Loading
Kommentare

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele