Triumph bei Heim-WM

Isinbajewa holt Gold im Stabhochsprung

Sport
14.08.2013 08:58
Bei ihrer Heim-WM hat es Jelena Isinbajewa noch einmal allen gezeigt: Die Russin gewann am Dienstag bei den Leichtathletik-Titelkämpfen in Moskau den Stabhochsprung-Bewerb. Es war ihr dritter WM-Sieg nach 2005 und 2007.

Das erste große Gold seit 2008 in der Tasche, die ersten Gefühle rausgelassen, versuchte sich die zweifache Olympiasiegerin noch an der Weltrekordhöhe von 5,07 Metern, scheiterte aber dreimal. Das Karriereende ließ die 31-Jährige offen, eine Pause hat sie jetzt aber fix eingeplant.

Emotionaler Auftritt
Schon bei der Vorstellungsrunde und dem aufbrausenden Applaus zeigte Isinbajewa viel Gefühl, unter der roten Schirmkappe blinzelte die Grand Dame der Disziplin gerührt ins Publikum. Um exakt 20:22 Uhr Ortszeit beschwor sie das erste Mal ihren Stab, lief an und riss bei der von ihr gewählten Anfangshöhe von 4,65 Metern. Äußerlich unberührt nahm sie es zur Kenntnis, schlüpfte wieder in ihre Überbekleidung und kommunizierte per Handzeichen sofort mit dem Coach. Der zweite Versuch klappte bravourös, sichtlich erleichtert schnaufte die Lokalmatadorin tief durch. Zu den 4,75 Metern trat sie als Erste an und schaffte die Höhe auf Anhieb. Nur drei weitere Athletinnen waren danach noch im Rennen.

Als Isinbajewa anschließend die 4,82 als Erste meisterte, lachte sie befreit auf und klatschte begeistert in die Hände, Olympiasiegerin Jennifer Suhr (USA) und Yarisley Silva (CUB) folgten ihr, womit das Trio je eine Medaille sicher hatte. Still wurde es, nachdem die Latte auf 4,89 gelegt worden war, ohrenbetäubend laut, nachdem Isinbajewa sauber drübergekommen war, vor Freude auf der Matte ausrastete und sich auf die Brust trommelte. Suhr (dann Silber) scheiterte und damit konnte nur noch Silva (Bronze) den Heimtriumph des Publikumslieblings verhindern. Als diese die Latte zu Fall brachte, gingen bei Isinbajewa die Emotionen über und das erste Mal bei dieser WM glich das Stadion einem Hexenkessel.

Jetzt will sie ein Kind
Isinbajewas nächstes Ziel ist es, ein Kind zu bekommen. Darüber hinaus lässt sie - wieder einmal - alles offen. Vom Karriereende habe sie nie gesprochen, sagte sie, obwohl es anderslautende Kommentare gibt. "Ich gehe nicht für immer weg, ich werde einfach pausieren. Ich wünsche mir Kinder, deshalb werde ich die Saison 2014 versäumen, immerhin dauert auch bei mir eine Schwangerschaft neun Monate." Sie redet von der WM 2015 in Peking und den Olympischen Spielen 2016 in Rio. "Und wenn irgendwas falsch läuft, und ich merke, dass ich nicht mehr auf ein hohes Niveau zurückkommen kann, dann werde ich meinen endgültigen Rücktritt erklären."

Harting wieder Diskus-Weltmeister
Der Diskus-Weltmeister heißt zum dritten Mal in Folge Robert Harting. Der deutsche Olympiasieger kam in seinem besten Versuch auf 69,11 Meter und verwies den Polen Piotr Malachowksi (68,36) und den Esten Gerd Kanter (65,19) auf die weiteren Plätze. Der 28-jährige Harting feierte den angesagten Triumph mit dem obligatorischen Trikotzerreißen, auf der Tribüne kullerten bei Freundin und Disziplinkollegin Julia Fischer die Tränen, ehe sie von ihrem Helden geküsst wurde. "Im Kopf hatte ich die ganze Zeit, dass ich es noch wuppen würde", sagte der von Rückenschmerzen geplagte Berliner. Österreichs Vertreter Gerhard Mayer war in der Qualifikation ausgeschieden und auf dem 18. Gesamtrang gelandet.

Ohne die verletzte britische Olympiasiegerin Jessica Ennis-Hill und die russische Titelverteidigerin Tatjana Tschernowa geriet der Siebenkampf etwas zu Unrecht zur Nebenerscheinung, denn am Ende hatten gleich die Top Fünf persönliche Bestleistungen aufgestellt. Die seit Juli mit Zehnkampf-Weltrekordler und Moskau-Weltmeister Ashton Eaton verheiratete Brianne Theisen Eaton steuerte zur Familien-Medaillensammlung Silber bei. Die diesjährige Götzis-Siegerin musste sich mit 6.530 Punkten nur der Ukrainerin Ganna Melnitschenko (6.586) geschlagen geben und machte ihrem Trainer Harry Marra mit Edelmetall ein Geburtstagsgeschenk. Dritte wurde die Niederländerin Dafne Schippers (6.477).

Merritt holt über 400 Meter Gold
400-Meter-Weltmeister wurde der US-Amerikaner LaShawn Merritt in der Jahresweltbestzeit von 43,74 Sekunden vor Landsmann Tony McQuay (44,40) und Luguelin Santos (DOM/44,52). Die 800 Meter wurden Beute des Äthiopiers Mohammed Aman, der sich in 1:43,31 Minuten vor Nick Symmonds (USA/1:43,55) und Ayanleh Souleiman (DJI/1:43,76) durchsetze. Der kenianische Weltrekordler und Titelverteidiger David Rudisha fehlte verletzungsbedingt. 3.000-Meter-Hindernis-Gold eroberte Milcah Cheywa (KEN) in 9:11,65 Minuten (JWBZ) vor Landsfrau Lydia Chepkurui (9:12,55) und Sofia Assefa (ETH/9:12,84).

Das 20-Kilometer-Gehen hatte am Vormittag die russische Weltrekordlerin und Olympiasiegerin Jelena Laschmanowa in 1:27:08 Stunden vor Landsfrau Anisja Kirdjapkina (1:27:11) und der Chinesin Liu Hong (1:28:10) für sich entschieden. Ein Missgeschick im Finish hätte sie aber beinahe noch den Titel gekostet, hatte sie nach dem Einlauf ins Stadion doch bereits 400 Meter und dann noch einmal 200 Meter vor dem Ziel abgebremst, ehe sie darauf aufmerksam gemacht wurde, dass sie noch nicht am Ende angelangt war.

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