Was der Hawelka für Wien, ist Norbert Fröstl für St. Pölten – nämlich eine wahre Institution des Kaffeesieder-Zunft. Mit seinen 79 Jahren steht der Inhaber noch jeden Tag im Geschäft.
"Wenn ich um zwei Uhr morgens in der Wiener Straße in meine Backstube gehe, wanken draußen oft die letzten Nachtschwärmer vorbei“, schmunzelt Norbert Fröstl. Wer es erwartet und – frei nach Hermann Hesse – der über der Traisen aufgehenden Sonne oder dem schwindenden Mond in einem der Lokale und Bars der Landeshauptstadt zuprostet, kann sich im Morgengrauen schon mit einem Frühstück stärken. Dieses Ritual zwischen Kipferl, Semmerl und allerlei wohl mundenden Konditorwaren prägt das vermutlich letzte klassische Kaffeehaus der Landeshauptstadt – und das seit einer kleinen Ewigkeit.
Aktuell ist Herr Norbert eine Art englischer Pub-Landlord, nur dass er Edelbohnen „zapft“ und sich mit Faschingsspezialitäten beschäftigt. „Alles ist handgemacht, vor allem die Krapfen und Schaumrollen“, runzelt Norbert die Stirn mit gespielter Beleidigung auf die Frage, ob denn alles an süßem tatsächlich aus der eigenen Backstube stamme.
Seit 1977 in der Backstube
Zum Legendenstatus des Herrn Hawelka von der Traisen trägt auch dessen Geburtsjahr bei. Denn Norbert Fröstl – übrigens ein intimer Kenner des britischen und St. Pöltner Fußballs – erblickte im selben Jahr die Welt, als die erste Semmel aus dem Ofen duftete. Seit 1977 knetet er selbst, am Ambiente hat sich seither nichts geändert. „Hätte ich eine Wanduhr im Geschäftslokal hängen, so würde sie wohl den Stillstand des Zeit, statt deren nimmermüden Fortlauf anzeigen“, sinniert der Connoisseur.
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