15.06.2013 20:42 |

Schwerpunkt Wien

"Offshore-Leaks" im Web: 53 Austro-Firmen dabei

Die "Offshore-Leaks"-Liste mit Firmen, die ihren Sitz in Steueroasen haben, ist ab sofort für alle zugänglich. Journalisten stellten die umfangreiche Datensammlung ins Internet. Ein Blick in das Register zeigt: In Österreich ist - neben bereits bekannten Namen wie dem zurückgetretenen Raiffeisen-Chef Herbert Stepic und Superfund-Gründer Christian Baha - auch eine Reihe von Anwälten, Firmenchefs und Privatpersonen vertreten. Insgesamt finden sich 53 Firmen mit Österreich-Bezug im Register.

Die Liste enthält insgesamt mehr als 100.000 Unternehmen, Fonds und Stiftungen. "Die besten Geschichten sind noch da draußen", erklärte Gerard Ryle vom International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ), das den Datensatz online stellte. "Erstmals ist es nun möglich, im Internet öffentlichen Zugang zu der geheimen Welt zu erhalten."

Die "Offshore-Leaks"-Dateien sollen Transparenz schaffen, um etwa Betrug, Geldwäsche und Steuerhinterziehung bekämpfen zu können, so Ryle weiter. Die Öffnung der Akten einer Branche, die lange im Schatten operiert habe, sei im öffentlichen Interesse.

Heimische Firmen, Anwälte, Pharmakonzerne im Register
Da werden einige wohl gehörig ins Schwitzen kommen. Und wer in der Datenbank - einer Art "Google der Steueroasen-Fans" - nach Österreichern sucht, wird auch schnell fündig: Vertreten sind mehrere Firmen, Anwälte, Pharmakonzerne und Privatpersonen, vor allem aus Wien.

Unter anderem zu finden ist die Firma eines russisch-usbekischen Tycoons, der am Wiener Kärntner Ring große Gewinne einfährt. Der Besitzer des Konzerns ist laut "Forbes"-Liste einer der reichsten Russen.

Auch die Wiener Löwelstraße wird genannt. Dort ist bekanntlich der Sitz der SPÖ-Zentrale, die aber nicht hinter dem Eintrag im Oasen-Register steckt. Vielmehr residiert in der Nähe auch ein Oligarch, der möglicherweise den einen oder anderen Euro zwecks Scheidung vor der eigenen Frau verstecken wollte. Ähnlich womöglich auch das Schicksal hinter der Adresse Kolingasse 11, unter anderem das Zuhause der Stadt Wien Marketing GmbH.

Milliarden versiegen im Ausland
Ein Eintrag auf der Liste bedeutet freilich noch lange kein illegales Verhalten. Das ICIJ betonte, ein Agieren in Steueroasen sei nicht zwangsläufig rechtswidrig, es solle nicht impliziert werden, dass aufgeführte Personen Gesetze gebrochen hätten. Hinter den 53 Firmen mit Österreich-Bezug stehen jedenfalls Milliarden Euro aus heimischen Quellen, die im Ausland versiegen. Die Daten sind hier abrufbar.

Enthüllungen führten in vielen Ländern zu Ermittlungen
Das ICIJ, des die Daten nun zugänglich machte, stieß mit seinen Enthüllungen bereits in einer Reihe von Ländern Ermittlungen gegen Steuerhinterzieher an. Die Veröffentlichung der Daten erfolgte wenige Tage vor dem Gipfeltreffen der acht großen Industriestaaten in Nordirland, bei dem es auch um den Austausch von Bankdaten zur Bekämpfung von Steuerflucht gehen soll.

Asien als Schwerpunkt der Datenbank
Nach Angaben des ICIJ wurden in den veröffentlichen Informationen persönliche Daten wie Telefonnummern, Kontonummern und E-Mail-Adressen entfernt. Auch Angaben zum Kapital sowie Gewinnen und Verlusten der genannten Firmen wurden vor der Veröffentlichung gestrichen. Die meisten Daten weisen Verbindungen nach Asien - insbesondere Singapur - auf.

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