Es sind schon erstaunliche Vorgänge, die die Österreicher in den letzten drei bis vier Tagen miterleben konnten: das völlig überraschende Platzen von monatelangen Regierungsverhandlungen, das fast schon hysterische Hinschmeißen des bisherigen Bundeskanzlers Karl Nehammer, schließlich die 180-Grad-Wende des Staatsoberhaupts Alexander Van der Bellen und des neuen ÖVP-Chefs Christian Stocker und nun eben einen Regierungsbildungsauftrag für FPÖ-Chef Herbert Kickl.
EINERSEITS sprechen viele politische Beobachter von „Chaostagen“, die die Republik Österreich nunmehr durchmachen würde.
ANDERERSEITS könnten diese Vorgänge die Geburtswehen einer neuen Phase in der Geschichte des Landes sein. Die Geburtsstunde nämlich einer volksnahen Mitte-rechts-Regierung, die einerseits in der Lage sein muss, die Staatsschulden-Krise des Landes zu bewältigen, und andererseits mittels fundamentaler Reformen so etwas wie ein neues österreichisches Selbstbewusstsein entwickeln könnte.
Noch ist allerdings nicht gewiss, ob sich eine solche blau-schwarze Koalitionsregierung wirklich formieren wird. Sicher ist allerdings, dass die turbulenten Vorgänge der letzten Tage eine Rückkehr zu den bewährten demokratischen Usancen der Zweiten Republik darstellen, nämlich dass die bei Nationalratswahlen stärkste Partei gefordert ist, die Führung im Lande zu übernehmen.
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