Kriminalfälle in Tirol

Nach 523 Tagen frei, Benko am Ende, Bub verhungert

Tirol
30.12.2024 18:00

Der Vater des kleinen Leon wird nach 523 Tagen aus der U-Haft entlassen. In Ebbs macht die Polizei einen tragischen Fund: Ein verhungerter Bub liegt tot in einer Wohnung. Unterdessen stürzt das Signa-Imperium von René Benko nach und nach komplett zusammen. Die „Krone“ blickt auf das Gerichts- und Kriminaljahr 2024 in Tirol zurück.

„Sie dürfen den Gerichtssaal als freier Mann verlassen.“ Auf diesen Satz von Richter Andreas Fleckl folgen am 1. August zahlreiche Freudentränen im Schwurgerichtssaal in Innsbruck. Einstimmig sprechen die Geschworenen den Vater des kleinen Leon kurz zuvor frei. Der sechsjährige Bub war im August 2022 in der Kitzbüheler Ache in St. Johann in Tirol ertrunken. Nach Ermittlungen, die ins Leere führten, geriet plötzlich der Vater ins Visier der Ermittler.

Am letzten Prozesstag in der Landeshauptstadt sind die präsentierten Gutachten aber uneindeutig. „Keiner kann nachvollziehen, wie man sich fühlt, wenn man solchen Vorwürfen ausgesetzt ist. Dass derjenige, der für den Tod meines Sohnes verantwortlich ist, immer noch frei herumläuft, ist unerträglich. Bitte lassen Sie mich wieder nach Hause zu meiner Familie“, lauten die Schlussworte des Angeklagten mit Tränen in den Augen. Exakt 523 Tage hat Leons Papa unschuldig in der U-Haft verbracht.

Bub (7) verletzt
Maibaum fällt auf Bergdoktor-Haus

Die filmreifen Szenen am Schauplatz des „Bergdoktors“ haben am 30. April in Going fast mit einem tödlichen Drama geendet. Ein Bub (7) wird schwer verletzt und verliert ein paar Zähne. Beim fiktiven Gasthaus der TV-Erfolgsserie bleibt hoher Sachschaden nicht aus.

Die Landjugend hat ein Transportunternehmen beauftragt, einen Maibaum mithilfe eines Krans aufzustellen. Die vermeintliche Routinearbeit geht aber gewaltig schief. Besonders brisant: Der Kranfahrer (39) besitzt gar keinen Kranführerschein. „Unsere Mitarbeiter werden aber besser als bei jedem Führerschein eingeschult“, argumentiert der ebenfalls angeklagte Unternehmer (60) im November in Innsbruck vor Gericht. Penibel habe man auf die Größe des Baums sowie auf die Wetterverhältnisse geachtet.

Als möglichen Grund für den Unfall vermuten die Angeklagten unisono ein „technisches Gebrechen“. Wie das Kind in die Gefahrenzone kam, können sie sich aber nicht erklären. Nach der Einvernahme etlicher Zeugen – darunter Beobachter des Geschehens – bietet der Richter den beiden Männern schließlich Diversionen an. Der Unternehmer muss 4000 Euro, sein Mitarbeiter 600 Euro berappen.

52-Jähriger verurteilt
Mord an Politiker: „War wie in einem Horrorfilm“

Im November 2023 wird Walter Kathrein (75), der ehemalige Vizebürgermeister von Völs, kaltblütig ermordet. Der Grund: Ein Einheimischer (52) soll mit Grundstücksgeschäften unzufrieden gewesen zu sein, die er in der Vergangenheit in bzw. mit der Gemeinde abgeschlossen hatte. „Es war wie in einem Horrorfilm. Der Schädel war zertrümmert, die Adern durchtrennt“, erklärt der Staatsanwalt im November beim Prozess. Der 52-Jährige wird einstimmig wegen Mordes zu zwölf Jahren Haft verurteilt (nicht rechtskräftig).

Eltern unter Mordverdacht
Verhungerter Bub (3) wird tot in Wohnung entdeckt

Todesdrama um ein dreijähriges Kind in Ebbs! Im Mai wird der Bub tot in der elterlichen Wohnung aufgefunden. Eine Obduktion ergibt, dass er massiv unterernährt war. Rasch geraten die Eltern (25 und 26 Jahre alt) unter Mordverdacht. Über beide wird in der Folge die Untersuchungshaft verhängt.

Junges Leben zerstört
Frau mit Pkw niedergewalzt: Lange Haft für Lenker (32)

Bei einer Amokfahrt auf einer Tankstelle in Telfs wurde das Leben einer 25-Jährigen sinnlos zerstört. Der Lenker (32) wird im Oktober wegen zweifachen versuchten Mordes – nicht rechtskräftig – zu 17 Jahren Gefängnis verurteilt.

Causa Walser
Ehemaliger Präsident der WK Tirol muss vor Richterbank Platz nehmen

Vom Präsidenten der WK Tirol auf die Anklagebank. Bereits im November 2023 legt Christoph Walser alle seine Ämter nieder. Unter anderem wird ihm Steuerhinterziehung vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen auf. Im November steht fest: Ende Jänner 2025 findet der Prozess statt.

Mega-Pleitier René Benko.
Mega-Pleitier René Benko.(Bild: APA/EXPA/JOHANN GRODER)
Eine Pleite jagt die Nächste
Benkos Signa-Imperium stürzt komplett zusammen

Tiefer Fall von René Benko! Ende 2023 beginnt das verschachtelte Signa-Imperium zu bröckeln. In den Monaten darauf stürzt es komplett ein. 2024 meldet Benko Privatinsolvenz an. Italien stellt sogar einen EU-Haftbefehl aus.

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