In den vergangenen sechs Jahren sind in Österreich mehr als 200 Menschen bei Waldarbeiten tödlich verunglückt. Das sind im Schnitt 33 Tote pro Jahr. 2023 war mit 36 Toten bereits ein dramatisches Jahr – doch es geht leider noch schlimmer. Heuer kamen bereits 39 Personen im Wald ums Leben, die meisten davon (13) in der Steiermark!
Wie eine Unfallanalyse des Kuratoriums für Verkehrssicherheit zeigt, wurden im Vorjahr ein Viertel der tödlich Verunglückten von einem zu fällenden Baum getroffen oder darunter eingeklemmt. 19 Prozent kamen ums Leben, weil sie von in Bewegung gesetzten Baumstämmen oder Wurzelstöcken erfasst wurden. 17 Prozent starben durch herabstürzende Äste. Auf Fehler bei der Bedienung oder der Sicherung von Maschinen waren mehr als zehn Prozent der Todesfälle zurückzuführen.
36 Menschen kamen 2023 in heimischen Wälder ums Leben, eine absolute Rekordzahl, die heuer leider noch übertroffen wird. Denn mit November waren in den Wäldern schon 39 Todesopfer zu beklagen, 13 davon alleine in der Steiermark.
„Ursachen sind vielschichtig“
Doch warum ist die Zahl gerade hierzulande so groß? Martin Krondorfer ist der Leiter der forstlichen Ausbildungsstätte in Pichl und hat keine auf der Hand liegende Erklärung dafür. „Die Waldarbeit ist nicht gefährlicher geworden. Ich würde sogar sagen, sie ist weniger gefährlich, denn die technische Ausrüstung hat sich in dem letzten Jahrzehnt stark verbessert.“
Zudem werde viel in Aus- und Weiterbildung investiert. „Viele Waldbesitzer haben die Notwendigkeit, sich auf diesem Gebiet weiterzuentwickeln und entsprechende Schutzkleidung zu tragen, erkannt.“ All das würde gegen die derzeitigen Zahlen an Unfällen bei der Waldarbeit sprechen.
Ein Unfall ,passiert‘ nicht einfach aus heiterem Himmel, ein Unfall wird durch falsches Handeln verursacht.

Martin Krondorfer, forstliche Ausbildungsstätte Pichl
Bild: zVg/Krondorfer
Eine Erklärung dafür, dass die Unfallzahlen in der Steiermark höher sind, ist aber sicher, weil sich in der Grünen Mark mehr Waldfläche befindet als in anderen Bundesländern. „Grundbesitzer nutzen ihren Wald als Einkommensergänzung oder leben sogar davon“, weiß Krondorfer. Viele Verunglückte sind 70 Jahre und älter. Das würde an den Besitzstrukturen liegen. „Die sind besonders in der Südsteiermark eher klein.“ Naheliegend ist, dass die ältere Generation einen Teil der notwendigen Waldarbeiten erledigt.
Übung und Kondition fehlen
„Doch Waldarbeit ist keine Routinearbeit. Das heißt, man greift nur zur Motorsäge und zum Traktor mit Seilwinde, wenn es notwendig ist. Der Übungsfaktor fehlt genauso wie die Kondition und das Wissen rund um sichere Waldarbeit“, betont der Experte. Besonders ältere Waldbesitzer würden nach wie vor dazu neigen, die notwendige Schutzausrüstung zu verweigern.
Somit kommt es oft zu einem falschen Einschätzen der Situation, dem Nichteinhalten von Sicherheitsabständen oder grundsätzlich dem Aufhalten in Gefahrenbereichen. „Das sind die größten Unfallrisiken. Ein Unfall passiert nicht einfach aus heiterem Himmel, ein Unfall wird durch falsches Handeln oder dem Nichterkennen einer Gefahrensituation verursacht!“
„Ruhiges, überlegtes Arbeiten, keine Hektik!“
Was wäre also der Ratschlag an die Menschen, die im Wald arbeiten müssen? Krondorfer: „Richtiges Einschätzen der eigenen Fähigkeiten, das passende Werkzeug, Tragen der Schutzausrüstung, auf Sicherheitsabstände achten und das Vermeiden von Hektik, also ruhiges, überlegtes Arbeiten, sind wichtige Faktoren, um Unfälle zu minimieren.“
Zudem empfiehlt er, sich periodisch weiterzubilden. „Das betrifft nicht nur Gelegenheitswaldarbeiter, sondern auch Profis.“ Und wenn man sich die Arbeit nicht zutraut oder keine Zeit hat, dann sollte man Professionisten zu Hilfe holen! „Den eigenen Wald zu betreuen, zu bewirtschaften, den wertvollen Rohstoff Holz der Gesellschaft zur Verfügung zu stellen, das ist eine wundervolle Tätigkeit. Doch niemals vergessen: Waldarbeit kann unter falschen Bedingungen wirklich gefährlich sein!“
Alle Informationen zu Fort- und Weiterbildungen der forstlichen Ausbildungsstätte Pichl finden Sie hier.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.