25.03.2013 11:02 |

Zu unerfahren?

"Gefangener X" verriet Geheimnisse an Hisbollah

Der als "Gefangener X" bekannt gewordene Mossad-Agent Ben Zygier soll vor seinem Selbstmord in israelischer Haft sensible Informationen an die libanesische Hisbollah-Miliz weitergegeben haben - möglicherweise aus Unerfahrenheit. Diese Hinweise hätten zur Verhaftung und Verurteilung zweier Informanten des israelischen Auslandsgeheimdienstes im Libanon geführt, berichteten der deutsche "Spiegel" und die australische Zeitung "Fairfax" unter Berufung auf Erkenntnisse der Ermittler.

Ben Zygier, der in den 1990ern die israelische Staatsbürgerschaft annahm, soll den Berichten zufolge 2003 vom Mossad angeheuert worden sein. Er sollte verschiedene europäische Firmen infiltrieren, die Geschäfte mit dem Iran und Syrien machten.

Zygier habe die in ihn gesetzten Hoffnungen jedoch nicht erfüllen können, heißt es, und sei daher im Sommer 2007 nach Israel zurückbeordert worden - für einen Bürojob. Offenbar um sich zu rehabilitieren, habe Zygier danach auf eigene Faust versucht, neue Agenten zu rekrutieren, so "Fairfax" und "Spiegel".

Unerfahrener Zygier offenbar ausgenützt
Dabei habe er sich übernommen, zitierte die australische Zeitung "Sydney Morning Herald" einen hochrangigen israelischen Beamten, der anonym bleiben wollte. "Er traf jemanden, der sehr viel professioneller war als er." Es soll sich um einen Europäer gehandelt haben, der als Nahestehender der Hisbollah-Miliz bekannt gewesen sei.

Zwei Informanten im Libanon verurteilt
Um den Mann als Agenten zu gewinnen, habe Zygier ihm 2008 Informationen über zwei äußerst wichtige Hisbollah-Mitglieder, die als Informanten des Mossad dienten, gegeben, so die Berichte. Es soll sich um die im Mai 2009 festgenommenen und wegen Spionage für Israel zu langjährigen Haftstrafen verurteilten Libanesen Ziad al-Homsi und Mustafa Ali Awadeh handeln.

Offenbar weitere Infos für Hisbollah gedacht
Im Jahr 2008 habe sich Zygier vom Mossad beurlauben lassen und sei in seine Heimatstadt Melbourne zurückgekehrt, um dort sein Studium zu beenden, heißt es weiter. 2010 wurde Zygier schließlich wegen Geheimnisverrats an australische Geheimdienste festgenommen - dabei soll er laut den Berichten eine CD mit weiteren Geheiminformationen des Mossad bei sich getragen haben, die er offenbar ebenfalls an seinen Hisbollah-Kontakt weitergeben wollte.

Tod jahrelang geheim gehalten
Die israelischen Sicherheitsbehörden sollen Zygier nach seiner Festnahme damit gedroht haben, ein Exempel statuieren zu wollen. Es heißt, sie hätten mindestens zehn Jahre Haft gefordert. Dazu kam es allerdings nicht - Zygier wurde im Dezember 2010 erhängt in seiner Zelle in einem israelischen Hochsicherheitsgefängnis gefunden. Israel bestätigte seinen Tod erst Anfang 2013, nachdem australische Medien den Fall publik gemacht hatten.

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