Wie die Nachrichtenagentur AP berichtete, handle es sich bei dem Vorfall, der Botha letztlich seine Rolle als Chefermittler in der Causa Pistorius kostete, um einen Fall aus dem Jahr 2011. Damals hätten Botha und zwei weitere Polizeibeamte auf einen Kleinbus geschossen, mit dem sich sieben Menschen auf der Flucht vor den Beamten befunden hätten. Durch die Schüsse hätten die Polizisten versucht, das Taxi zu stoppen. Laut CNN seien sie zudem betrunken gewesen.
Nach dem Vorfall seien Botha und seine Kollegen wegen des Verdachts des siebenfachen Mordversuchs und des Schießens unter Alkoholeinfluss verhaftet worden. Die Ermittlungen seien aber eingestellt worden. Am Mittwoch jedoch habe der Leiter der Anklagebehörde entschieden, den Fall wieder aufzunehmen, so die Polizei, die von der Wendung überrascht wurde. Botha, der seit 24 Jahren bei der Polizei seinen Dienst versieht, soll nun im Mai wegen des Mordversuchs in sieben Fällen vor Gericht erscheinen.
"Busfahrer wollte mich von der Straße abdrängen"
Botha reagierte am Donnerstag überrascht auf die Nachricht von der Wiederaufnahme der Ermittlungen und wies die Vorwürfe vehement zurück – auch jene, dass er betrunken gewesen sei. Die Schüsse seien gefallen, weil der Busfahrer ihn von der Straße habe abdrängen wollen. Er, Botha, habe sich in Ermittlungen zu einem Mordfall befunden. Die neuen Ermittlungen gegen ihn dürften mit seiner aktuellen Arbeit zu tun haben, mutmaßte Botha gegenüber dem Fernsehsender eNCA.
Staatsanwaltschaftssprecher Medupe Simasiku sagte Donnerstag früh, man habe von den neuen Ermittlungen gegen Botha nichts gewusst, als dieser am Mittwoch vor Gericht seine Argumente vorbrachte, warum dem Paralympics-Star, der im Verdacht steht, seine Freundin Reeva Steenkamp ermordet zu haben, keine Freilassung auf Kaution zugestanden werden solle (siehe Infobox).
Antrag auf Freilassung von Pistorius noch nicht entschieden
Etwas in den Hintergrund geriet durch die Diskussion über Botha der eigentliche Grund der Anhörung: der Antrag der Verteidigung, Pistorius auf Kaution freizulassen. Die Sitzung begann mit Verzögerung, weil Botha - da noch in seinem Amt - zunächst nicht erschien. Im Zeugenstand musste er dann einräumen, dass die Ermittlungen am Tatort "besser geführt hätten werden können". Die Verteidigung hatte unter anderem kritisiert, dass Botha keinen Schutz über den Schuhen getragen hatte, als er in der Mordnacht das Haus von Pistorius zur Spurensicherung betrat.
Vorerst zurücknehmen musste die Staatsanwaltschaft ihre Angaben, es sei Testosteron im Haus von Pistorius gefunden worden. "Wir können nicht sagen, was es ist", hieß es. Erst die wissenschaftliche Analyse könne das klären. Pistorius' Verteidiger Barry Roux hatte zuvor erklärt, bei dem zusammen mit Spritzen gefundenen Produkt handele es sich um ein "pflanzliches Heilmittel", das sein Mandant nehmen dürfe und genommen habe.
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