Im Herbst werden die Tarifverhandlungen mit der Österreichischen Gesundheitskasse neu aufgenommen. Der Forderungskatalog ist lang, soll vor allem aber höhere Honorare bringen.
Privatarzt-Praxen boomen, Kassenstellen sind unbeliebt. Für die Patienten bedeutet das längere Wartezeiten oder höhere Kosten. Der Trend ist auch im Burgenland angekommen, wenn gleich das Land mit seiner Offensivstrategie in der Gesundheitsvorsorge einen eigenen Weg beschreitet, um den Menschen die beste Gesundheitsversorgung in Wohnortnähe und Versorgungssicherheit zu gewähren. Historisch bedingt hat das Burgenland – vor allem im Bereich Allgemeinmedizin – mit einem großen Problem zu kämpfen, nämlich den österreichweit schlechtesten Tarifen für Kassenärzte.
Wenig Interesse bei Ausschreibungen
Ein Umstand, mit dem man sich seitens der Ärztekammer seit vielen Jahren herumschlägt, aber nicht länger zufriedengibt. Wenn im Herbst die Tarifverhandlungen mit der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) für 2025 neu aufgenommen werden, steht vor allem die Attraktivierung des Kassenarztsystems im Burgenland ganz oben im Forderungskatalog, inklusive höhere Honorare.
Leistungsfeindlicher Vertrag als Grund für Ärztekammer
Seit Jahren ist der Kampf um Hausärzte im Burgenland ein unermüdlicher. Zuletzt zeigte das wieder eine Ausschreibung: von elf ausgeschriebenen Kassenarztstellen, gab es für fünf Facharztstellen sieben Bewerber. Jene für Allgemeinmedizinische Praxen in Eisenstadt, Großpetersdorf und Neudörfl blieben erneut ohne Interessensbekundung. Die Hoffnung, jene zu besetzen, sinke jeden Tag, heißt es seitens der Kammer, die den „leistungsfeindlichen“ Vertrag mit der ÖGK als Grund sieht.
Keine Deckelung bringt 10 Prozent mehr Honorar
Würden die Verrechnungsbeschränkungen fallen, blieben den Allgemeinmedizinern alleine 10 Prozent mehr Honorar, heißt es. Gute Nachrichten gibt es hingegen, was die vom Bund angekündigten 100 zusätzlichen Kassenarztstellen angeht. Zwei der drei Stellen werden im Herbst besetzt, eine Kinderärztin kommt nach Großpetersdorf und in Eisenstadt wird eine Facharztstelle für Psychiatrie neu besetzt. Die dritte Stelle soll im Bereich der Primärversorgung angesiedelt werden, hier ist man seitens der Ärztekammer aber mit dem Honorierungsmodell noch nicht zufrieden.
Ambulatorium soll Lücke füllen
Auch in Bezug auf die Etablierung eines Ambulatoriums in Güssing kommt Bewegung. Das Zentrum soll die Lücken füllen, die sich bei den niedergelassenen Ärzten auftut, vor allem im Bereich der Gynäkologie. Aus dem Büro von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil heißt es: Verhandlungen über Immobilienoptionen in der Stadt laufen und man sei zuversichtlich, dass bis Jahresende eine Lösung gefunden werde. Das Ambulatorium sei ein mittelfristiges Projekt und auch im Laufen.
Carina Fenz
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.