Im Salzkammergut

Warum die unterschätzten Moore so wichtig sind

Steiermark
23.07.2024 07:00

Das Wort Renaturierung ist seit Wochen in aller Munde. Doch was bringt uns Renaturierung? Warum ist sie sinnvoll? Gibt es Nachteile? Und warum wehren sich viele Landwirte so massiv dagegen? Die „Krone“ hat sich in einem der schönsten sterischen Moore auf die Suche nach Antworten gemacht.

Die Sonne brennt in Kainisch im Bad Mitterndorfer Becken heiß vom Himmel. Wir haben uns mit Karin Hochegger vom Naturschutzbund Steiermark verabredet, um der Frage nachzugehen, warum Renaturierung eigentlich wichtig ist. Und wir wollten wissen, wo Maßnahmen vielleicht schon sichtbar sind, um die Notwendigkeit des viel strapazierten Renaturierungsgesetz zu verstehen. 

Und so sind wir im Kainischmoor gelandet, einer fast mystischen Welt. Doch zuallererst: Was ist eigentlich ein Moor? Leicht erklärt: Ein Moor ist ein Gebiet, in dem die Erde ständig nass ist. Weil der Boden immer wie ein nasser Schwamm vollgesogen ist, können dort nur bestimmte Pflanzen und Tiere leben.

Der nasse Boden, der mit rotem und grünem Moos überzogen ist, federt unter unseren Gummistiefelschritten.  „In Österreich gibt es über Tausend Moosarten“, sagt Karin Hochegger. Aber nicht nur Moose lieben das Moor. Auch der Sonnentau, der sanft im Sonnenlicht glitzert. Die fleischfressende Pflanze wächst nur auf Torfmoosdecken nasser Moore. Weil der Untergrund keine Nährstoffe hergibt, holt sich der Sonnentau das nötige Eiweiß von Insekten, die er durch seine Klebedrüsen fängt.

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Manche sagen, Moore sind die Regenwälder Europas, die Urlandschaften, wo so gut wie nie Kultivierung vom Menschen stattgefunden hat. Es hat für unser Überleben große Bedeutung.

Karin Hochegger

„Moore waren lästig und ärgerlich“
Doch in den vergangenen Jahren das Kainischmoor ein wenig von seiner Vielfalt verloren. Früher dachten die Menschen nämlich, ein Moor ist nutzlos. „Es war ärgerlich und lästig und was gegangen ist, hat man kultiviert.“ Man ließ die Moore austrocknen. Dazu wurden Gräben angelegt, durch die das Wasser abfließen konnte, die Futterwiesen wurden und auch heute noch so entwässert. Die Menschen haben dann den Torf abgebaut und zum Verbrennen benutzt. Heute wird Torf noch als Blumenerde verkauft.

Mit Holzspundwänden wird das Regenwasser im Moor gehalten.
Mit Holzspundwänden wird das Regenwasser im Moor gehalten.(Bild: Eva Stockner)

Durch diese Entwässerung ist das östliche Moor bereits rund einen halben Meter abgesunken. „Deshalb wurden vom Naturschutzbund Holzspundwände eingezogen“, erklärt Karin Hochegger, eine Renaturierungsmaßnahme. Dadurch kann das Regenwasser im Moor zurückgehalten und der Moorwasserspiegel wieder angehoben werden. Die Torfmoose („die Könige der Moore“) und der Sonnentau fühlen sich dann wieder wohl und werden nicht mehr von Bäumen verdrängt.

Speichert klimaschädliches CO₂
Und nicht zu vergessen: Moore sind für den Klimaschutz extrem wichtig. Denn die Pflanzen speichern das klimaschädliche CO₂. Sie wandeln es dann in organische Kohlenstoffverbindungen um. „Grob geschätzt enthält eine 15 Zentimeter Torfschicht auf gleicher Fläche in etwa gleich viel Kohlenstoff wie ein 100-jähriger Wald. Bei der Zerstörung der Moore werden dementsprechend in kürzester Zeit klimawirksame Gase emittiert, die vorher in 10.000 Jahren gespeichert wurden“, rechnet Karin Hochegger vor.  Pro Jahr wächst die Schicht aus Torf ungefähr einen Millimeter.

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Ein Moor ist ein Lebensraum, der wirklich uralt ist. Er ist wichtig für Biodiversität, für den Wasser- und für den Kohlenstoffhaushalt. Es ist einfach ein Riesenschwamm in der Natur.

Karin Hochegger, Naturschutzbund

„Moore sind zudem eines der effizientesten Hilfsmittel der Natur gegen Überschwemmungen“, schildert die Expertin. Sie können immense Mengen an Wasser aufnehmen, denn die Torfböden sind extrem quellfähig und die Moose wirken wie gewaltige Schwämme. Untersuchungen haben gezeigt, dass ein intaktes Hochmoor bei Starkregen rund 90 Prozent des Niederschlagwassers aufsaugen und später dann nach und nach wieder abgeben kann.

Warum das Gesetz für Aufregung sorgt

  • Das Gesetz ist ein zentraler Teil des umfassenden Klimaschutzpakets „Green Deal“, mit dem die EU bis 2050 klimaneutral werden soll.
  • Es zielt darauf ab, Ökosysteme vor dem Kollaps zu retten, indem etwa trockengelegte Moore wieder vernässt und Wälder aufgeforstet werden sollen. Ein weiteres Ziel ist auch mehr Grün in Städten.
  • In einer Blitzaktion stimmte die zuständige Ministerin Leonore Gewessler im Alleingang in Luxemburg für das umstrittene Renaturierungsgesetz – gegen den Willen des Koalitionspartners ÖVP. 
  • Die ÖVP brachte daraufhin Strafanzeige wegen Amtsmissbrauchs gegen die Ministerin ein.

„Es besteht viel Unsicherheit“
Aber warum wehren sich die Landwirte und Grundbesitzer dann so gegen das Gesetz, wenn mit der Renaturierung wie hier bei dem Moor so viel Sinnvolles bewirkt werden kann? „Es besteht sehr viel Unsicherheit über die Umsetzung des Gesetzes, die Finanzierung, wen trifft es und wie“, erklärt Karin Hochegger. „Aber Politik, Verwaltung und NGOs könnten viel dazu beitragen, diese Unsicherheit zu mildern, indem sie sachlich berichten und informieren.“ Denn niemand werde etwas weggenommen.

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