Di, 21. August 2018

"Bin normal net so"

29.10.2012 12:58

Mann prellte Zeche und betrog ÖBB: Teilbedingte Haft

Den Job verloren, bei der Großmutter nach einem Streit aus der Wohnung geflogen: Weil sich ein 22-jähriger Steirer über Wasser halten wollte, griff er zu illegalen Mitteln und orderte in großem Stil via Internet Speisen und Getränke. Das Dach über dem Kopf verschafften ihm zu einem Gutteil die ÖBB, deren Tickets er sich unter Angabe falscher Kontodaten erschlich. Am Montag wurde der 22-Jährige in Wien deshalb zu 20 Monaten teilbedingter Haft verurteilt.

"I waaß net, wos mi g'ritten hot. I bin normal net so", meinte der junge Mann und gab die ihm zur Last gelegten Straftaten unumwunden zu. Anfang April war der gelernte Landmaschinentechniker, der bei seiner Großmutter wohnte, arbeitslos geworden. Als sie ihn nach einer Auseinandersetzung, deren Hintergründe er nicht näher erläutern wollte, aus der Wohnung warf, wurde es eng: "Ich hab nicht gewusst, wohin, hab einen Hunger gehabt", erklärte er sein Motiv.

"Möglichkeit gesehen, dass ich ein Dach über den Kopf hab'"
Teils schlief er in Autos, teils in Hotels. Für die Verpflegung musste eine Internetplattform herhalten - praktisch täglich bestellte er dort. Mit einem Fantasienamen gab er auf der Bestellplattform an, dass in bar bezahlt werde, und vermerkte, dass die Rechnungen bereits beglichen seien. Nahrungsmittel um mehr als 3.000 Euro verleibte er sich auf diese Art ein.

Doch auch warm wollte es der 22-Jährige haben und löste das Problem auch diesmal über das Internet. Unter Verwendung falscher Kontodaten orderte er Zugtickets und druckte diese aus - in ganz Österreich war er unterwegs. Ob er gern Bahn gefahren sei, wollte Richterin Minou Aigner wissen. "Was heißt gern? Draußen war's kalt und geregnet hat's. Ich hab einfach die Möglichkeit gesehen, dass ich ein Dach über den Kopf hab'", meinte der Angeklagte.

"Ist auch ein Weihnachtsgeschenk, dieses Urteil"
Zudem musste sich der Beschuldigte wegen Körperverletzung vor Gericht verantworten - eine wohl eher besoffene Geschichte. Der 22-Jährige war mit einem Zechkumpanen in Streit geraten. Die Auseinandersetzung gipfelte schließlich darin, dass der junge Mann seinem Kontrahenten den Inhalt eines Feuerlöschers ins Gesicht sprühte. "Ich hab einfach nicht mehr gewusst, was ich tue", resümierte der Angeklagte.

Die Richterin verurteilte den jungen Mann, der bisher unbescholten war und darüber hinaus einen recht lukrativen Job bei einem Kreuzfahrtunternehmen in Aussicht hat, zu 20 Monaten Haft, davon drei Monate unbedingt. Weil er bereits knapp zweieinhalb Monate in Untersuchungshaft verbracht hat, wird er in rund zwei Wochen wieder in Freiheit sein. "Es ist auch ein Weihnachtsgeschenk, dieses Urteil", meinte die Richterin.

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