Mo, 16. Juli 2018

Vor UNO-Tribunal

16.10.2012 12:00

Karadzic: 'Mir würde eine Auszeichnung zustehen'

Der wegen Genozids angeklagte bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic (Bild) hat am Dienstag vor dem UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien Anschuldigungen gegen sich zurückgewiesen. Mehr noch: "Anstatt für die Verbrechen in unserem Bürgerkrieg angeklagt zu werden, müsste ich ausgezeichnet werden, weil ich alles, was in der menschlichen Macht liegt, unternommen habe, um den Bürgerkrieg zu verhindern und das Leiden der Menschen zu verringen."

Karadzic, der sich wegen Völkermordes in Srebrenica und einigen anderen bosnischen Gemeinden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnien-Krieges (1992 bis 1995) zu verteidigen hat, hat am Dienstag mit der Präsentation seiner Verteidigung vor dem Haager Gericht begonnen.

"Habe ständig nach Frieden gesucht"
Er habe wiederholt Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet und durchgeführt, die Truppen unter seiner Kontrolle gehalten und ständig nach Frieden gesucht, erläuterte der Haager Angeklagte. Als erster Zeuge der Verteidigung soll vor dem Gericht der ehemalige russische UNPROFOR-Angehörige Andrej Demurenko aussagen.

Karadzic will ihn den Ankündigungen nach zum Massaker auf einem Gemüsemarkt von Sarajevo im August 1995 befragen, als durch eine Granate 43 Personen getötet und weitere 75 verletzt wurden. Demurenko hatte in einem anderen Verfahren vor dem Haager Gericht den Angriff als wahrscheinlichen "Terrorakt" der bosniakischen Armee bezeichnet.

Prozessauftakt für Hadzic
Vor dem UNO-Tribunal begann am Dienstag auch der Prozess gegen Goran Hadzic. Der frühere kroatische Serbenführer muss sich wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Kroatien-Kriegs (1991 bis 1995) verantworten.

Hadzic war zwischen 1992 und 1993 Präsident der selbst ernannten serbischen Republik Krajina. Er soll für den Tod Hunderter Zivilisten und die Verschleppung Zehntausender Kroaten und Nicht-Serben verantwortlich sein. Der 54-Jährige war im Juli 2011 als letzter noch flüchtiger Angeklagter des Tribunals festgenommen worden.

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