Sa, 15. Dezember 2018

Kein Backhausen-Deal

10.10.2012 19:06

Nächste Traditions-Firma von Al Jaber im Stich gelassen

Der traditionsreiche Textilbetrieb Backhausen hat am Mittwoch überraschend ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet. Grund: Investor Mohamed Bin Issa Al Jaber (Bild li.) hat laut dem Unternehmen nicht fristgerecht die zugesagten Zahlungen geleistet. Der Scheich, der erst vor Kurzem unter großem Getöse seinen Einstieg verkündet hatte, sieht die Schuld bei den Banken. Diese würden unnötig Druck machen. Es ist jedoch nicht das erste Mal, dass Al Jaber im letzten Moment zugesagte Finanzierungen nicht geleistet hat - Stichwort AUA, Kneissl.

Backhausen betonte am Mittwoch, dass der Betrieb unverändert weitergeführt werde, die 104 Arbeitsplätze in Österreich seien gesichert, Kundenaufträge würden firstgerecht erfüllt. Der Kreditschutzverband AKV-Europe kündigte hingegen an, sich das Sanierungskonzept genau anschauen zu wollen. Backhausen geriet in den letzten Jahren durch die Wirtschaftskrise und die starke Preiskonkurrenz aus Billiglohnländern unter Druck.

Mit 6,6 Millionen Euro in der Kreide
Der Sanierungsplanvorschlag beinhaltet eine Quote von 30 Prozent, zahlbar binnen zwei Jahren ab Annahme des Sanierungsplans, sprich: Die Gläuber erhalten knapp ein Drittel ihrer Forderungen. Der KSV 1870 rechnet damit, dass das Landesgericht Krems rasch die Verfahrenseröffnung verfügen wird. Die Verbindlichkeiten Backhausens liegen aktuell bei 6,6 Millionen Euro.

"Wir müssen die Reißleine ziehen. Der Druck der Banken wurde zu groß. Wir bzw. die Hypo-NÖ-Bank haben zwar schriftliche Zusagen von Mohamed Bin Issa Al Jaber, aber aus nicht nachvollziehbaren Gründen ist die für 9. Oktober fix zugesagte Überweisung nicht rechtzeitig erfolgt. Nun haben leider unsere Banken keine Geduld mehr", erklärt Reinhard Backhausen (re.), Geschäftsführender Gesellschafter des traditionsreichen Textilunternehmens.

Backhausen-Chef: "Keineswegs blauäugig" bei Al Jaber
Zu der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens hielt er fest: "Die Auftragslage ist sehr erfreulich, wir haben heuer zahlreiche Projekte umgesetzt, viele weitere Projekte sind bereits in der Pipeline." Für 2012 werde ein Umsatz von rund zwölf Millionen Euro angepeilt.

Der Partnerschaft mit Al Jaber hatte Backhausen bis zuletzt aus mehreren Gründen reale Chancen eingeräumt, obwohl Wirtschaftsbeobachter aufgrund vergangener gescheiterter Investitionen Zweifel hatten: "Al Jaber ist bei uns mit seinen Hotels seit einigen Jahren ein guter Kunde und hat immer alle Rechnungen bezahlt. Auch die Banken unterstützten seine Beteiligung. Wir sind also keineswegs blauäugig in diese Verhandlungen gegangen", erklärte der Firmenchef am Mittwoch.

Sollte der Scheich in den nächsten Tagen nicht überweisen, sei man aber gezwungen, nach anderen Investoren zu suchen. "Mit einigen Investoren gab es bereits im Vorfeld Gespräche und konkrete Interessensbekundungen. Wir erwarten uns durch diese Strategie eine rasche und vollständige Rekapitalisierung von Backhausen noch während des Sanierungsverfahrens", betonte Backhausen.

Al Jaber: Banken machen unnötigen Druck
Für den Scheich sind indessen die Banken daran schuld, dass Backhausen nun ein Sanierungsverfahren einleiten musste. "Es hat keinen Zahlungsdruck gegeben, bis die Banken einen Konkursantrag eingebracht haben und das Unternehmen unter unnötigen Druck gesetzt haben", erklärte die Sprecherin von Al Jabers Firma MBI International, Andrea King, am Mittwochabend. Wäre das nicht der Fall gewesen, wäre es demnach irrelevant gewesen, ob die neuen Mittel am 9. Oktober oder an einem anderen Tag gezahlt worden wären.

Trotz dieser "unüblichen" Vorgangsweise der Banken stehe man aber zu der Vereinbarung mit der Familie Backhausen und setze die Arbeit an der Restrukturierung des Unternehmens fort, so King weiter. "Wir haben der Familie Backhausen versprochen, ihre Unternehmen zu entschulden und mit frischem Kapital zu versorgen", betonte die Sprecherin.

Al Jaber im September: Einstieg "persönliches Anliegen"
Noch Ende September hatte der austro-saudische Scheich unter großen Medienrummel seinen Einstieg bei der Traditionsfirma gefeiert. Wie hoch seine Anteile sein werden und wie viel Geld er dafür in die Hand nehmen wollte, blieb aber unbeantwortet. "Es ist so viel, dass wir danach schuldenfrei sind", sagte Backhausen damals.

Al Jaber meinte Ende September vor Journalisten, es sei ihm ein persönliches Anliegen, die 160-jährige Tradition des Unternehmens am Leben zu erhalten und zu helfen, dass dieses historische Unternehmen weiter bestehe. Er sei froh, nun Teil der Familie zu sein. Auf die Frage, ob er daran denkt, seinen Anteil weiterzuverkaufen, schüttelte der Araber mit österreichischem Pass den Kopf. Sein Interesse gelte der Firma und dass es ihr gut gehe. Der Scheich wollte sogar seine 26-jährige Tochter als Co-Geschäftsführerin bei Backhausen installieren.

Al Jaber hatte in Österreich unter anderem mit seinem geplanten Einstieg bei der AUA und dem Hin und Her bei der Tiroler Skifirma Kneissl für Aussehen gesorgt. Bei Kneissl ließ er mehrere Zahlungsfristen verstreichen, die Firma schlitterte in die Pleite. Mittlerweile ist sie aber wieder in seinen Händen. Im April klagte er die Bank Austria wegen Kreditschädigung, ein Rechtsstreit mit der AUA ist immer noch nicht beigelegt. Laut "Forbes" beläuft sich Al Jabers Vermögen auf sieben Milliarden Dollar.

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