17.09.2012 10:33 |

Klimawandel-Folge

Korallenriffe schon bei Erwärmung von 2 Grad in Gefahr

Rund 70 Prozent aller Korallenstandorte könnten als Folge der globalen Erwärmung bis 2030 langfristig geschädigt sein, falls sich die Meereswesen nicht daran anpassen. Das gelte sogar für den Fall, dass die Erwärmung - wie in den weltweiten Klimazielen vorgesehen - auf zwei Grad Celsius begrenzt wird, berichtet ein Team unter Leitung von Forschern des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung in einer großen Überblicksstudie.

Um wenigstens die Hälfte der Korallenriffe weltweit zu schützen, dürfe die Erderwärmung bis dahin wahrscheinlich höchstens 1,5 Grad Celsius betragen, schreiben die Wissenschaftler im Fachjournal "Nature Climate Change". Mit 19 verschiedenen Klimamodellen simulierten sie den Wärmestress an 2.160 Standorten weltweit.

Großflächige Korallenbleiche droht
Wenn die Symbiose aus Korallen und Mikro-Algen, von denen die Korallen einen Großteil ihrer Energie und auch ihre Farbe erhalten, durch zu warmes Wasser zusammenbricht, kommt es zu einer sogenannten Korallenbleiche.

Die große Frage ist nach Forscherangaben nun, inwieweit Korallen sich an die steigenden Temperaturen anpassen können, indem sie zum Beispiel mit wärmeresistenteren Algen eine Symbiose eingehen. "Aber das wissen wir noch nicht genau. Selbst wenn der Ausstoß von Treibhausgasen stark vermindert würde, müssten mögliche Anpassungsmechanismen sehr schnell wirken", sagte Hauptautorin Katja Frieler. Korallen haben jedoch lange Lebenszyklen von fünf bis 100 Jahren. "Sie sind nicht wie Fruchtfliegen, die sich viel schneller evolutionär entwickeln können", betont Co-Autor Ove Hoegh-Guldberg von der University of Queensland in Australien.

Ozeanversauerung als möglicher Zusatzfaktor
Neben der Temperaturentwicklung stellt die Ozeanversauerung einen weiteren Risikofaktor für die Korallen dar. Meerwasser wird saurer, wenn es Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufnimmt - dies stört möglicherweise die Kalkbildung der Korallen. "Die Auswirkungen der Ozeanversauerung auf die Empfindlichkeit der Korallen gegenüber der Erwärmung der Ozeane sind zwar noch umstritten. Aber in unserem Simulationen wären dann 2030 auch bei starken Emissionsreduktionen sogar 86 Prozent aller Korallenriffe geschädigt", erläuterte Frieler.

Auch die wachsende Verschmutzung der Meere, etwa durch Einleitung von Nährstoffen, könne den Trend noch zusätzlich negativ beeinflussen. Langfristig werde sich die Artenzusammensetzung der Riffe voraussichtlich ändern, glaubt Frieler. Es werden sich jene Korallen behaupten, die weniger wärmeempfindlich sind. "Aber wie lange diese gegenüber weiter steigenden Temperaturen resistent sind, wissen wir nicht."

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