Nestroy modern

Häuptling Abendwind wird zum veganen Feministen

Bühne
03.04.2024 09:55

Rapperin und Wortkünstlerin Yasmo holt den Klassiker „Häuptling Abendwind“ im Wiener Rabenhof Theater modern, humorvoll und durchaus provokant in unsere Zeit.

kmm

Menschenfresser, zwei kriegerische Häuptlinge und ein „gräuliches Festmahl“, bei dem fast der Ehemann in spe der Häuptlingstochter auf den Tellern landet. Es ist wirklich eine „absurde Geschichte“, die Nestroy da in sein letztes Theaterstück hineinpackte, lacht auch Yasmin Hafedh alias Yasmo im „Krone“-Interview.

Ausgerechnet mit diesem durchaus etwas angestaubten Klassiker gibt die preisgekrönte österreichische Rapperin und Poetry-Slammerin ihr Theaterdebüt. Auf ihre ganz eigene Weise. „Als ich das Projekt angeboten bekommen habe, war ich sofort Feuer und Flamme. Ich wollte schon in meiner Jugend immer Theaterautorin werden“, erzählt sie.

Nestroy wäre ein guter Poetry-Slammer
Und so modelte sie den Klassiker völlig neu um. „Ich habe das Stück komplett umgeschrieben und ins Jetzt geholt. Heutzutage beschäftigen uns natürlich ganz andere Themen als Nestroy vor 160 Jahren“, so Yasmo. „Wobei er mit seinem Sprachwitz und -feuer in unserer Zeit sicher auch ein hervorragender Poetry-Slammer wäre.“

Rapperin und Poetry-Slammerin Yasmo gibt im Rabenhof ihr Theater-Debüt.
Rapperin und Poetry-Slammerin Yasmo gibt im Rabenhof ihr Theater-Debüt.(Bild: Rita Newman)

Nestroy goes Feminismus 
„Nestroy goes Feminismus“, lautet das Motto im Rabenhof Theater – und so spielt auch nicht der Stammeschef die Hauptrolle, sondern seine Tochter Atala, verkörpert von der aufstrebenden jungen Hip-Hopperin Bex. „Bei Nestroy wird Atala immer als dumm bezeichnet. Da haben sich mir gleich alle Haare aufgestellt – und ich wusste: Nicht bei mir!“, lacht Yasmo.

Vom Menschenfresser zum Veganer
Ihr Häuptling Abendwind ist 2024 also nicht nur mit „Globalisierung, intersektionalem Feminismus und dem Internet“ konfrontiert, wie das Rabenhof Theater verrät, sondern auch mit einer resoluten Tochter, die sich nicht scheut, in den generationenübergreifenden Ring zu steigen. „Ich muss mich da gar nicht verstellen. Ich habe zu Hause eine 16-jährige Tochter, die mir das mit dem Feminismus ganz gut beibringt“, so der ehemalige Alkbottle-Sänger Roman Gregory, der in die Rolle des Menschenfressers schlüpft. „Ich darf einen alten weißen Mann spielen, der an der Vergangenheit hängt, sich mit Anpassung, Gendern usw. schwertut – und von seiner Tochter den Spiegel vorgehalten bekommt. Da ist es dann auch vom Menschenfresser zum Veganer kein weiter Weg mehr“, lacht er.

Provozieren mit Wiener Schmäh 
Für ihre Version hat sich Yasmo auch durch eine Textbearbeitung von Elfriede Jelinek inspirieren lassen. „Die ist natürlich sehr politisch, das wollte ich auch – aber mit ganz viel Schmäh.“ Ein bissl provozieren also – aber immer mit einem Augenzwinkern und einer gehörigen Portion Humor, in dieser Tradition bleibt Yasmo dem großen Meister Nestroy treu. „Es wird sicher ein Spaß“, verspricht sie.

Sie selbst ist dabei nicht nur Autorin und Regisseurin, sondern führt auch auf der Bühne als Kommentatorin durchs Stück. Und liefert mit Raphael Rameis auch den Soundtrack unserer Zeit. „Wir haben uns durchaus an Nestroys berühmten Couplets orientiert.“ Aber eben so, wie er es vielleicht heute auch machen würde: als Rap.

Premiere ist heute um 20 Uhr, weitere Termine hier

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