"Ich bin schockiert"

Beruhigungsmittel für Doping-Sünderin Ostaptschuk

Sport
14.08.2012 11:17
Die als Doping-Sünderin entlarvte Kugelstoß-Olympiasiegerin Nadeschda Ostaptschuk ist vom IOC aufgefordert worden, schnellstmöglich ihre Goldmedaille zurückzugeben. Doch die 31-jährige Weißrussin zeigte sich wenig einsichtig und beklagte sich: "Natürlich werden wir kämpfen. Die Frage ist nur, wofür und gegen wen. Man hat mich vor Fakten gestellt, ohne mir Einzelheiten mitzuteilen. Diese Nachricht hat uns natürlich schockiert, ich benötige derzeit Beruhigungsmittel."

Ostaptschuk wurde vom IOC am Montag disqualifiziert und nachträglich von den Olympischen Spielen ausgeschlossen. Die zweitplatzierte Neuseeländerin Valerie Adams wurde zur Gewinnerin erklärt, Silber geht nun an die Russin Jewgenia Kolodko, Bronze an die Chinesin Lijiao Gong.

Ostaptschuk hatte am 5. August - einen Tag vor ihrem Wettkampf - und am 6. August kurz nach ihrem Triumph Urinproben abgegeben. Darin sei laut IOC das anabole Steroid Methenolon gefunden worden. Das verbotene Mittel war früher vor allem in Bodybuilderkreisen verbreitet und kann bei Frauen Nebenwirkungen wie Akne, Bartwuchs und Stimmvertiefung haben.

Von offizieller Seite gab es in der autoritär regierten Ex-Sowjetrepublik noch keine Reaktion. Das Sportministerium habe noch keine Beweise erhalten, sagte ein Behördensprecher. Eine geplante Pressekonferenz Ostaptschuks in Minsk wurde ohne Angabe von Gründen kurzfristig abgesagt. Der als letzter Diktator Europas kritisierte Präsident Alexander Lukaschenko hatte Ostaptschuk nach ihrem Erfolg für "große Professionalität, herausragende sportliche Leistung und den Sieg" einen Orden verliehen.

Doping-Experte empfiehlt Auszeichnung für Dummheit
Auszeichnungen hat sie sich aus Sicht des deutschen Doping-Experten Werner Franke aber eher für Dummheit verdient: "Die Überraschung ist nur groß, dass jemand so doof sein kann, sich damit noch beim Wettkampf erwischen zu lassen", sagte der Molekularbiologe. "Ihre ganze Wettkampfplanung im Jahr diente ja wohl nur dazu, zu vermeiden, dass sie kompetent getestet werden kann. Das hat ihr der Kenner schon seit Jahren an der Nase angesehen."

Die 31-Jährige war in Peking 2008 Olympia-Dritte, 2005 Weltmeisterin in Helsinki, 2011 in Daegu Vize-Weltmeisterin sowie 2010 Europameisterin. Die weißrussischen Werfer waren auch in Expertenkreisen in die Kritik geraten, weil sie sich häufiger nur zum Saisonhöhepunkt zeigen. So hatte Ostaptschuk im Juni bei der EM in Helsinki gefehlt. Erst kurz vor den Olympischen Spielen hatte Weißrussland Hammerwerfer Iwan Tichon auf Druck des Internationalen Leichtathletik-Verbandes aus dem Aufgebot gestrichen. Der 36-Jährige war wegen eines positiven Nachtests der Proben von den Spielen 2004 in Athen unter Verdacht geraten.

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