Trotz des angekündigten Baupaketes durch die Bundesregierung herrscht in der Baubranche in Tirol weiterhin eher schlechte Stimmung. „Der Druck steigt, nur bei den großen Firmen ist die Stimmung leicht positiv“, sagt Anton Rieder, Innungsmeister des Tiroler Baugewerbes. „Für dieses Jahr rechnen wir mit einem Schrumpfen von 2,4 Prozent nominell und somit rund sechs Prozent real.“
Besonders schlecht sind die Erwartungen im Wohnbau (-19,7%) und im Hochbau (-9,1%), während im Tiefbau +4,7% erwartet werden. Positiv mit einem erwarteten Plus von 13% ist auch die Stimmung im Tunnelbau. Quer durch alle Baubereiche sind in einer Umfrage unter mehr als 150 Betrieben 27 Prozent schlecht bzw. sehr schlecht gestimmt, 40 Prozent zeigen sich optimistisch.
Wobei Rieder hinzufügt: „Einige Firmen haben den Fragebogen gar nicht erst abgegeben, weil sie das Stimmungsbild nicht noch weiter verschlechtern wollten.“
Das Baupaket des Bundes begrüßen wir prinzipiell, bei der Wohnbauförderung brauchen wir aber mehr Flexibilität nach dem Vorarlberger Vorbild.
Anton Rieder
Wegen Kostendruck werden Projekte verschoben
Ebenso besorgniserregend: Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, bis zu vier Projekte aufgrund des Kostendrucks zu verschieben. „Und mehr als 70 Prozent kritisieren zu lange Genehmigungsverfahren.“ Hier fordert Rieder, dass man sich ein Vorbild an Südtirol nehme: „Nach 14 Tagen wird dort die vollständige Einreichung der Unterlagen bestätigt, nach 90 Tagen gibt es entweder einen positiven oder negativen Baubescheid.“
Bei Baupaket „genau schauen, wo es wirkt“
Lob gibt es für das Baupaket der Bundesregierung. „Das begrüßen wir grundsätzlich, wir müssen aber noch genau schauen, wo es wirkt.“ Rieder fordert aber mehr Flexibilität bei der Wohnbauförderung nach Vorarlberger Vorbild sowie ein Anhaben der Einkommensgrenzen um 25 Prozent. Von „keinem leichten Jahr“ spricht auch Landesbaudirektor Christian Molzer, „alle reden von einer Rezession“. Er sieht aber den „Tiefbau als stabilen Garant und bei den Sanierungen gibt es eine Zunahme“.
Nach der sehr guten Wintersaison wollen viele in Ausbau und Sanierung investieren. Auch das kurbelt die Baubranche wieder ein wenig an.
Mario Gerber
Wirtschaftslandesrat hofft auch auf die Touristiker
Indes verweist Wirtschaftslandesrat Mario Gerber (ÖVP) auf rund 309 Millionen Euro, die in Form von Förderungen und Zuschüssen im Vorjahr in die Baubranche geflossen seien. „Positiv stimmen mich die positiven Zahlen aus dem Tourismus. Viele wollen nach dieser guten Wintersaison heuer in Ausbau und Sanierungen investieren. Das kurbelt die Branche an.“
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