27.07.2012 09:31 |

Zahl steigt

Ein Fünftel der Lehrlinge steht ohne Abschluss da

Schlechte Nachricht für die Lehrlingsausbildung in den heimischen Betrieben: Von den 57.511 Lehrlingen, die 2011 zur Abschlussprüfung angetreten sind, schlossen zwar 6.527 mit Auszeichnung ab, aber noch viel mehr, nämlich 10.071 Lehrlinge, sind durchgefallen. Zusammen mit denen, die gar nicht zur Prüfung antreten, steht am Schluss ein Fünftel ohne Abschluss da.

Insgesamt gab es bei 23 einzelnen Lehrberufen Durchfallsraten von über 30 Prozent, wie aus der Lehrabschlussprüfungsstatistik für 2011 hervorgeht. Vor allem Gewerbe- und Handwerksbetriebe, wo jeder dritte Lehrling ausgebildet wird, sind anfällig.

2011 wies die Sparte "Gewerbe und Handwerk" die mit Abstand höchste Durchfallsrate auf. Von den Malern und Anstreichern hat österreichweit jeder dritte Prüfling "nicht bestanden". Auch die Tourismusbranche gehört zu den Sorgenkindern. Die Erfolgsquote von Lehrlingen bei Banken und Versicherungen sticht dagegen positiv hervor: Im Schnitt schaffen da 92,4 Prozent die Prüfung auf Anhieb. Bei der Lehre zu Bankkauffrau oder Bankkaufmann fällt nur jeder Dreißigste durch.

Zahl der Durchfaller steigt konstant
In den letzten 30 Jahren ist die Zahl der Durchfaller konstant gestiegen. Aktuell liegt die Erfolgsquote bei nur noch 82,5 Prozent. Auffallend ist, dass über 10.000 Lehrlinge durchfallen, aber jährlich nur etwas mehr als 4.097 zur Wiederholungsprüfung antreten. Damit werfen fast 6.000 Lehrlinge das Handtuch. Dazu kommen noch jene, die erst gar nicht zur Prüfung antreten. Das Problem: Diejenigen, die sich von vornherein nicht zur Lehrabschlussprüfung anmelden, scheinen in der Statistik der Wirtschaftskammer nicht auf.

Die beiden Sozialpartner, Arbeiterkammer und Wirtschaftskammer, wollen nun genaue Zahlen erheben, wie viele Lehrlinge mangels Erfolgschancen nicht zur Prüfung antreten. Schätzungen zufolge sind es jedes Jahr 3.000 bis 4.000, andere Schätzungen gehen von bis zu zehn Prozent aus. Zusammen mit denen, die durchfallen, steht also rund ein Fünftel am Ende der Lehre ohne Abschluss da.

Geringe Gehaltsunterschiede als Grund?
"Die Lehrabschlussprüfung ist kein Muss", betonte der zuständige WK-Referent Alfred Freundlinger. Man habe auch ohne Prüfung seine Lehrzeit abgeschlossen. In den meisten Kollektivverträgen gebe es zwar einen Lohnunterschied zwischen Hilfs- und Facharbeitern, teilweise sei er aber nur gering. In einigen KV wird laut Freundlinger überhaupt nicht unterschieden, ob jemand die Prüfung abgelegt hat oder nicht. Für AK-Lehrlingsexpertin Edith Kugi-Mazza ist eben dieser geringe Gehaltsunterschied einer der Gründe für die schwachen Ergebnisse. Es gehe darum, die Lehrlinge zu motivieren, zur Prüfung zu gehen, weil sie sonst für die weitere Berufslaufbahn auf verlorenem Posten stehen, so Kugi-Mazza.

Sowohl AK also auch WKÖ wollen im Herbst genauere Analysen machen. Der AK geht es in erster Linie darum, das Thema im Zuge der Qualitätsdiskussion (Stichwort: Lehre mit Matura) auf der Tagesordnung zu halten und die erfolgreichen Lehrabschlüsse wieder zu steigern. Hohe Erfolgsquoten sind auch für die Wirtschaft essenziell. Als eine von mehreren Maßnahmen kann sich Freundlinger vorstellen, Lehrlinge verstärkt zu fördern, aber auch die Prüfer besser zu schulen. Derzeit sei es schwierig, überhaupt Prüfer zu finden.

Wirtschaft fehlen 30.000 Fachkräfte
Der österreichischen Wirtschaft fehlen aktuell rund 30.000 Fachkräfte. Die Lehre konkurriert immer stärker mit höherbildenden Schulen. Den Betrieben fällt es daher oft schwer, den notwendigen Fachkräftenachwuchs zu bekommen. Angesichts des Fachkräftemangels müsse die Ausbildung zum Erfolg führen, so Freundlinger. Heuer hätten bisher erfreulich viele Jugendliche eine Lehre begonnen, entscheidend sei aber traditionell erst der Herbst.

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