Wiggins kam im ersten größeren Feld – gut behütet von seinen Sky-Teamkollegen um Edeldomestik Christopher Froome – mit knapp acht Minuten Rückstand ins Ziel. Der 32-Jährige führt damit weiterhin 2:05 Minuten vor seinem Landsmann Froome, 2:23 Minuten vor dem Italiener Vincenzo Nibali und 3:19 Minuten vor Vorjahressieger Cadel Evans aus Australien.
Fünf Ausreißer bestimmten Geschehen
Früh hatte sich eine fünfköpfige Fluchtgruppe mit Millar, Peraud, dem Spanier Egoi Martinez, dem Franzosen Cyril Gautier und dem Kroaten Robert Kiserlovski, die zwischenzeitlich bis zu 13 Minuten Vorsprung herausfahren konnte. Das die Tour dominierende Team Sky mit dem Österreicher Bernhard Eisel, der 25 Kilometer vor dem Ziel nach einem Hinterraddefekt den Anschluss an die Favoriten verlor, ließ die Ausreißer gewähren.
Im Finale setzte sich zunächst Peraud von seinen Fluchtgefährten ab, nur Millar konnte folgen und auf der Zielgeraden dann gar das größere Stehvermögen dokumentieren. "Einen Prolog oder ein Zeitfahren zu gewinnen, ist eine Sache, so eine Etappe etwas ganz anderes", erklärte der ausgewiesene Spezialist im Kampf gegen die Uhr. "Ich bin glücklich, ein so großes Rennen nach Hause zu fahren." Seinen bisher letzten Tagessieg bei der Tour hatte er 2003 gefeiert.
Ex-Doper Millar: "Es ist möglich, sauber zu gewinnen"
Millar hatte 2004 den Einsatz von EPO gestanden, eine lebenslange Olympia-Sperre war vom Internationalen Sportgerichtshof in Lausanne erst im April aufgehoben worden, weswegen der 35-Jährige nach der Tour auch bei den Spielen in London starten darf. "Ich bin ein Ex-Doper. Aber heute habe ich gezeigt, dass es auch sauber geht", betonte Millar. "Die Dinge haben sich massiv verändert. Heute ist es möglich, sauber zu gewinnen."
Gehen Ausreißer-Festspiele weiter?
Auch die Etappen Nummer 13 und 14 am Wochenende könnten zur Beute für Ausreißer werden. Am französischen Nationalfeiertag geht es nach Cap d'Agde ans Mittelmeer, danach nach Foix an den Rand der Pyrenäen, in denen die Vorentscheidung über den Tour-Sieg fallen dürfte. Diese ist auch eine Entscheidung von Sky, zumal Froome in den Bergen bisher einen stärkeren Eindruck als Wiggins gemacht hatte, von seinem Team aber bei einer Attacke zurückgepfiffen wurde.
Und so gibt er vorerst weiterhin den braven Helfer. "Froome hat auf der ersten Etappe durch einen Defekt 1:25 Minuten verloren und noch einmal 30 Sekunden im Zeitfahren", erinnerte Sky-Sportdirektor Sean Yates. "Wir spielen hier nicht Lotto – wir spielen die Karte des Teams, und da ist Bradley im Vorteil. Wir sind in einer perfekten Situation und die werden wir nicht aufs Spiel setzen."
Ergebnis der 12. Etappe:
1. David Millar (GBR) Garmin 5:42:46 Stunden
2. Jean-Christophe Peraud (FRA) AG2R gleiche Zeit
3. Egoi Martinez (ESP) Euskaltel +0:05 Minuten
4. Cyril Gautier (FRA) Europcar +0:05
5. Robert Kiserlovski (CRO) Astana +0:05
6. Peter Sagan (SVK) Liquigas +7:53
7. Matthew Goss (AUS) Orica +7:53
8. Sebastien Hinault (FRA) AG2R +7:54
9. Cadel Evans (AUS) BMC +7:54
10. Luca Paolini (ITA) Katjuscha +7:54
Weiter:
114. Bernhard Eisel (AUT) Sky +11:59
Gesamtwertung:
1. Bradley Wiggins (GBR) Sky 54:34:33 Stunden
2. Christopher Froome (GBR) Sky +2:05 Minuten
3. Vincenzo Nibali (ITA) Liquigas +2:23
4. Cadel Evans (AUS) BMC +3:19
5. Jurgen van den Broeck (BEL) Lotto +4:48
6. Haimar Zubeldia (ESP) RadioShack +6:15
7. Tejay Van Garderen (USA) BMC +6:57
8. Janez Brajkovic (SLO) Astana +7:30
9. Pierre Rolland (FRA) Europcar +8:31
10. Thibaut Pinot (FRA) FDJ +8:51
Weiter:
147. Bernhard Eisel (AUT) Sky +2:02:04 Std.
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