Was soll die Aufregung um den „Volkskanzler“, so der Tenor einiger, als ich unlängst hier meinte, Kickl beschwöre damit den Geist einer dunklen Vergangenheit herauf. Gusenbauer habe sich ja bekannterweise auch schon so bezeichnet, so das wenig gewichtige Argument. Als ob dessen geschichtsvergessene Titulierung den „Volkskanzler“ von seiner historischen Schwere freigewaschen hätte. Schon allein weil einem als Inbegriff moralischer Instanz nicht unbedingt Alfred Gusenbauer als Erster in den Sinn kommt.
Es geht gar nicht um das „Präfix“ Volk an sich, das viel zu wertvoll ist, um es den Nazis zu überlassen. Volkstanz und Volksmusik z. B. - das sind Traditionen eines Landes, die in ihrer Vielfalt (in den allermeisten Fällen) nicht dem Völkischen entstammen, aus dem sich der „Volkskanzler“ erhob. Dieser Ideologie, die das Volk zur überlegenen Abstammungsgemeinschaft erklärte. In der das „ius sanguinis“, das Recht des Blutes, und nicht die Staatsangehörigkeit zum Maß aller Dinge erkoren wurde - und die bis heute Rechtsextreme von Deportationen fantasieren lässt.
Propagandaminister Joseph Goebbels hatte sich aus dieser Gesinnung heraus den „Volkskanzler“ 1933 für Hitler erdacht, ihn als Kampfbegriff in Reden und auf Plakaten verbreitet. Sogar in den Duden hielt er damals Einzug.
Es ist anzunehmen, dass Kickl all das weiß und wie so oft ganz bewusst mit aufgeladener Sprache Grenzen aufweicht. Und dabei ganz sicher nicht an Gusenbauers Legitimation denkt . . .
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