Trendwende verpasst

Medikamente: Ohne Asien wären Regale ziemlich leer

Österreich
18.09.2023 11:43

Die EU und Österreich sind bei der Versorgung mit Medikamenten nach wie vor in hohem Maß von Importen aus China und Indien abhängig. Nach Versorgungsengpässen während der letzten Grippesaison hätte eine Trendwende eingeleitet werden sollen, diese wurde aber verpasst. In Österreich ist seit vergangenem Winter kaum etwas passiert, und auch auf EU-Ebene ist man über die Diskussionsphase nicht hinausgekommen. Lediglich Frankreich zeigt vor, wie es gehen könnte.

Ohne China und Indien würde es in Österreich schlecht ausschauen, die Medikamentenregale in den Apotheken wären ziemlich leer. 70 bis 80 Prozent unserer Medikamente kommen von dort oder benötigen für die Herstellung Inhaltsstoffe, die in diesen beiden Ländern produziert werden, berichtete am Montag das Ö1-„Morgenjournal“.

Das hätte nach den Engpässen im vergangenen Winter geändert werden sollen, außer einzelnen Projekten ist im Großen und Ganzen aber nicht viel passiert, um diese Abhängigkeit zu entschärfen. In Kundl in Tirol z.B. hat die Novartis-Tochter Sandoz angekündigt, 50 Millionen Euro in den dortigen Standort zu investieren, um Antibiotika und Penicillin herzustellen.

Novartis baut seinen Standord im Tiroler Kundl aus. (Bild: Novartis)
Novartis baut seinen Standord im Tiroler Kundl aus.

Experte vermisst Initiativen aus Österreich
Für Alexander Herzog, Generalsekretär von Pharmig (Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs), ist das alles zu wenig. „Es gibt bei uns keine nennenswerten Initiativen seitens des Gesundheitsministeriums oder der zuständigen Behörden“, so Herzog auf Ö1.
Das Gesundheitsministerium verweist wiederum auf die EU-Kommission, die im Mai einen Vorschlag zur Aktualisierung der EU-Arzneimittelgesetzgebung veröffentlichte.

Darin wird auch das Ziel definiert, die Arzneimittelproduktion langfristig wieder nach Europa zu holen. Medikamente sollten dadurch wieder verfügbar, allgemein zugänglich und leistbar gemacht werden. Dadurch solle auch die Medikamentenversorgung in Österreich sichergestellt werden.

Frankreich als Ausnahme
Auch auf EU-Ebene wird über die Problematik diskutiert. Eine Ausnahme unter den Mitgliedsstaaten ist Frankreich, das bereits eine Trendwende eingeleitet hat und im Juni ankündigte, für 50 essenzielle Medikamente - darunter gegen Krebs oder Schmerzmittel - die Herstellung des Rohstoffes oder des Endproduktes nach Frankreich, das dafür mehrere Milliarden Euro investiert, zu verlegen. Paracetamol etwa soll ab 2025 wieder in Frankreich produziert werden.

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