Die neue Ausstellung „ReThinking Identities“ im Graz Museum ist zwar klein, aber immens vielfältig. Sie stellt eine ganz große Fragen des Lebens: Wer bestimmt meine Identität?
Was haben eine 4000 Jahre alte kykladische Frauenstatuette und ein hundert Jahre altes Selbstporträt einer Grazer Künstlerin gemeinsam? Auf den ersten Blick wohl nicht viel. Umso beeindruckender ist die kleine Projektschau, die nun im Graz Museum in der Sackstraße zu sehen ist: „ReThinking Identities“ setzt unter anderem diese Kunstwerke in einen philosophischen, durchaus auch gender-theoretischen Bezugsrahmen.
Wer bestimmt, wer wir sind? Frauen, Männer – oder gibt es da vielleicht noch andere Möglichkeiten? Und was bedeutet das alles für uns?
Die gestern eröffnete Schau ist die dritte von drei Wanderausstellungen, die im Rahmen eines EU-Projekts gemeinsam mit dem Museum of Cycladic Art in Athen und der Bank of Cyprus Cultural Foundation in Nikosia entstanden sind. „Unsere drei Häuser haben sehr unterschiedliche Sammlungen“, sagt GrazMuseum-Direktorin Sibylle Dienesch, die das Projekt gemeinsam mit Catalin Betz kuratiert hat. „Die Ausstellungsstücke sind so alt, dass sie nicht transportiert werden konnten.“
Mehr, als eine Vitrine jemals bieten kann
Man musste sich also digital zusammenfinden. Und so bekommen Besucher in Graz 3-D-Scans eines zypriotischen Tempeljungen mit roten Lippen und der griechischen schwangeren Frau zu sehen. Man kann sie drehen, wenden, von oben und unten, von weit weg und nah dran begutachten. „Das kann eine Vitrine gar nie bieten“, sagt Dienesch.
Modernes Selbstbild
Im Original ausgestellt ist nur ein Werk: Das Selbstporträt der in Graz aufgewachsenen Ida Sofia Maly. Sie malte sich selbst mit kurzen Haaren, Hemd und Krawatte und hinterfragte so schon 1928 ihre Geschlechtsidentität. Aufgrund ihrer späteren Schizophrenie wurde sie von den Nazis ermordet.
Die digitale Ausstellung auf der Webseite des Graz Museum verfügbar.
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