Plötzlich Königsmacher

Zehntausende Katalanen fordern Unabhängigkeit

Ausland
11.09.2023 20:07

Zehntausende haben in Katalonien anlässlich des Nationalfeiertags „Diada“ die Unabhängigkeit der Region im Nordosten Spaniens gefordert. Der Aufmarsch hat heuer eine besondere Brisanz. Die katalanischen Parteien gelten als Königsmacher im aktuellen Koalitionspoker.

Nach einem Sternmarsch versammelten sich Demonstranten am Montagabend auf der Plaça d‘Espanya im Zentrum Barcelonas. Sie skandierten Slogans wie „Unabhängigkeit, Freiheit“.

Der katalanische Regionalregierungschef Pere Aragonès sagte kurz vor der Kundgebung, man dürfe die Chance, die sich aufgrund der plötzlichen Bedeutung der katalanischen Parteien für die Bildung einer neuen spanischen Regierung ergebe, nicht verpassen.

Plötzlich Königsmacher
Die „Diada“, bei der immer am 11. September an den Verlust der Selbstverwaltung 1714 erinnert wird, gilt jedes Jahr als Gradmesser für die Stärke der Unabhängigkeitsbewegung. Dieses Jahr wurde die Demonstration in ganz Spanien mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt, denn die separatistischen Parteien Kataloniens spielen sechs Jahre nach der Niederschlagung des Abspaltungsversuchs vom Herbst 2017 plötzlich eine Hauptrolle als Königsmacher in der spanischen Politik.

Die beiden katalanischen Separatistenparteien im Madrider Parlament werden in den nächsten Wochen darüber entscheiden, ob der geschäftsführende Regierungschef Pedro Sánchez weiterregieren kann oder es eine Neuwahl geben muss.

Denn ohne die Stimmen der Katalanen hätten die Sozialisten (PSOE) von Sánchez keine Mehrheit. Zunächst aber hat Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo von der konservativen Volkspartei (PP), der bei der Wahl am 23. Juli die meisten Stimmen bekommen hatte, noch bis zum 27. September Zeit, ein Regierungsbündnis zu schmieden.

Separatistenführer lebt in Belgien
Allerdings werden ihm nur geringe Chancen eingeräumt. Dann müsste Sánchez mit der linksnationalistischen ERC von Aragonès und vor allem mit der Partei Junts des in Belgien lebenden Separatistenführers Carles Puigdemont verhandeln. Die weniger kompromissbereite Junts fordert bisher unter anderem ein in Spanien als inakzeptabel geltendes Unabhängigkeitsreferendum.

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