Hungrige Adler

Unsere Skisprung-Stars blicken schon Richtung Kulm

Sport
07.01.2012 11:08
Ein ausschließlich rot-weiß-rot besetztes Podium bei einer Großveranstaltung ist auch für die erfolgsverwöhnten österreichischen Skispringer nicht alltäglich. Kein Wunder, dass der Begriff "historisch" von Gregor Schlierenzauer, Thomas Morgenstern und Andreas Kofler nach ihrem Triplesieg bei der 60. Vierschanzentournee mehrmals in den Mund genommen wurde. Auch der Betreuerstab um Cheftrainer Alexander Pointner wusste um die Besonderheit des Erreichten, blickte jedoch bereits in Richtung der nächsten Herausforderungen wie die Skiflug-Heimbewerbe am Kulm.

"Drei derart lachende Gesichter auf dem Podium habe ich noch nie erlebt", kommentierte Pointner den ersten ÖSV-Dreifachsieg in der Tournee seit 37 Jahren. Das breiteste Grinsen trug freilich Schlierenzauer zur Schau. Er habe sich nach vielen vergeblichen Anläufen das schönste Geschenk zum Geburtstag gemacht, sagte der seit Samstag 22-jährige Tiroler. "Für mich ist es etwas ganz Besonderes, die Tournee gewonnen zu haben. Ich habe lange für mein großes Ziel gekämpft", erklärte Schlierenzauer, der schon zweimal als Halbzeitführender leer ausgegangen war.

Schlierenzauer will noch mehr
Es sei eine schwierige Tournee mit Wetterkapriolen und widrigen Bedingungen gewesen. "Aber ich hatte auch einmal das Glück auf meiner Seite", so Schlierenzauer, dem Platz drei im wegen Schneefalls in nur einem Durchgang ausgetragenen Finale in Bischofshofen locker zum Sieg reichte. Nach WM-Gold, Skiflug-WM-Titel und dem Gesamtweltcupsieg sowie zahlreichen Teamtrophäen fehlt ihm nun nur noch der Olympia-Einzelsieg. Er sei noch keineswegs satt, versicherte der 38-fache Weltcupsieger. "Momentan ist es ein Hochgefühl und auf der anderen Seite auch eine gewisse Leere. Ich bin aber nach wie vor erfolgshungrig."

Chefcoach Pointner streute dem frisch gebackenen Tourneesieger Rosen. "Er hat sich den Sieg hart erarbeitet. Außerdem ist es schön zu sehen, dass er eine Riesenwertschätzung von seinen Kollegen genießt, das hat er sich verdient", sagte Pointner. Seine Mannschaft sei der Favoritenstellung eindrucksvoll gerecht geworden, ein Selbstläufer sei die Tournee aber keinesfalls gewesen.

Strahlender Morgenstern
Auch Morgenstern, der in Bischofshofen vor dem Norweger Anders Bardal seinen ersten Weltcupsieg seit fast einem Jahr holte, strahlte über das ganze Gesicht. Der Tournee-Titelverteidiger profitierte zudem von Koflers verpatztem Sprung und wurde noch Gesamtzweiter. "Ein sehr schöner und wichtiger Tag für mich, weil mit dem Sieg viel Druck von mir abfällt. Ich bin eine gute Tournee gesprungen, es war durch die Wetterkapriolen nicht einfach", sagte der Kärntner.

Auch für den Olympiasieger und Weltmeister war diese Auflage etwas Außergewöhnliches. "Wir werden noch viele Jahre daran zurückdenken, was wir hier geleistet haben", bekräftigte Morgenstern. Er verwies aber auch darauf, dass Rang zwei eigentlich Kofler gebühren würde. "Es ist alles auf einen Sprung angekommen, deshalb tut es mir leid für ihn, weil normalerweise würde er an der zweiten Stelle stehen", sagte der nun gleichauf mit Andreas Goldberger fünfmalige Tournee-Tagessieger.

Der angesprochene Bergisel-Gewinner ärgerte sich aber nicht besonders über seinen Rückfall auf Platz drei. Er habe riskiert und leider nicht gewonnen, so Kofler. "Ich bin zufrieden mit der Tournee", versicherte der Tiroler.

ÖSV-Springerchef Ernst Vettori genoss die Machtdemonstration seiner Truppe sichtlich. "Das ist nicht alltäglich, peinlich sind mir die dauernden Erfolge noch nicht. Ich bin sehr zufrieden, dass die Dinge so ausgegangen sind, wie wir sie uns erhofft haben", meinte der zweifache Tourneegewinner. Im Augenblick des Triumphes galten seine Gedanken aber auch schon kommenden Aufgaben, allen voran dem Heim-Skifliegen am nächsten Wochenende. "Es folgt eine weitere große Woche und später die Skiflug-WM, wir werden ruhig an die nächsten Aufgaben herangehen und wollen natürlich wieder ganz vorne landen", bekräftigte Vettori.

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