Auch wenn er so gut wie keines seiner Ziele im Angriffskrieg gegen die Ukraine erreicht hat, sitze Wladimir Putin fest im Sattel: Das war die längst Zeit gängige Meinung im Westen. Spätestens seit gestern sieht alles anders aus. Wer hätte sich je vorstellen können, dass eine mordende Privatarmee, die - nicht nur in der Ukraine, sondern weltweit - übelste militärische Drecksarbeit für Putin und sein Regime erledigt, sich gegen die offizielle Armee und damit gegen den Herrscher stellt? Jewgenij Prigoschin rückte mit seiner Wagner-Söldnertruppe zunächst über die militärisch bedeutende Stadt Rostow am Don bis Woronesch vor. Gleichzeitig kündigte er den Marsch auf Moskau an. Dort bereitete man sich auf den Ausnahmezustand vor, ehe Prigoschin am Abend ankündigte, man werde nicht weiter vorrücken. Was nun besonders zählt: Prigoschin stellte klar, dass der Kriegsgrund für den Einmarsch der russischen Truppen in der Ukraine nur eine Täuschung war, die vom Kreml angeführten Gründe seien Lügen. Das Ende Putins ist eingeläutet, doch niemand darf erwarten, dass Prigoschin, sollte er letztlich an die Macht kommen, besser als Putin wäre. Ganz im Gegenteil. Es könnte noch schlimmer werden…
Gute Nachrichten. Warum berichtet die „Krone“ seitenweise über eine Handvoll Reiche, die sich nach Bezahlung von viel Geld in ein U-Boot quetschen, um das Wrack der „Titanic“ aus nächster Nähe zu sehen? - Diese Frage wurde uns in der vergangenen Woche mehrfach gestellt. Erlaubt sei die Gegenfrage: Warum lesen so viele Menschen die Berichte über die tagelang in der Tiefe verschollenen Menschen, nach denen mit großem Aufwand gesucht wurde? Die Antwort ist einfach: Weil die Tiefe auf viele eine ganz besondere Faszination ausübt. Ähnliches Interesse rufen stets auch Rettungsaktionen nach Menschen, die in Höhlen oder Bergwerken eingeschlossen sind, hervor - denken wir nur an das Unglück im steirischen Lassing, das sich bald zum 25. Mal jährt. Da spielen auch Urängste vor dem Eingeschlossensein eine große Rolle. Und so muss sich niemand wundern, wenn das Interesse so vieler Menschen an solchen Ereignissen enorm ist - und Medien weltweit versuchen, dieses Interesse zu stillen. Aber auch wenn das diesmal nicht zu vermelden war: Was dabei immer mitschwingt, ist wohl die Sehnsucht nach einem Happy End. Die Sehnsucht nach guten Nachrichten. Kein Wunder, wenn man in Zeiten wie diesen danach lechzt. Nur leider haben wir sie allzu selten anzubieten.
Kommen Sie gut durch den Sonntag!










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