Strengeres Gesetz

Neue Regeln im Kampf gegen Lichtverschmutzung

Oberösterreich
19.06.2023 16:30

Straßenlaternen, Reklametafeln, Gebäudebeleuchtungen: Wenn die Nacht über Gebühr hell erleuchtet wird, spricht man von Lichtverschmutzung. Weil darunter Insekten, Vögel und in der Folge auch der Mensch leidet, setzt das Land Oberösterreich jetzt ein neues Regelwerk auf, das helfen soll, den Sternenhimmel wieder sichtbarer zu machen.

Innerhalb eines Jahrhunderts könnten weltweit 40 Prozent der Insektenarten der Vergangenheit angehören, dies könnte zu einem „Kollaps der Ökosysteme der Natur führen“: Umweltlandesrat Stefan Kaineder (Grüne) zitierte am Montag Wissenschafter und zeichnete so ein dramatisches Bild. Die Lichtverschmutzung sei ein wesentlicher Grund für den Rückgang an Insekten- und Vogelbeständen - 85 Prozent der Schmetterlinge seien zum Beispiel nachtaktiv. „Es zeigt sich, dass Kunstlicht in falscher Qualität und Intensität zur falschen Zeit am falschen Ort gravierende Schattenseiten haben kann“ lautet Kainedes Fazit. 

ÖNORM wird verbindlich
In Europa nehme die Helligkeit im Schnitt um fünf bis sechs Prozent zu - in seinem Wirkungsbereich in Oberösterreich wolle er jetzt mit einer Novelle des Oö. Umweltschutzgesetzes gegensteuern, sagt der Landesrat. So werde etwa die 2012 in Kraft getretene ÖNORM „Lichtimmissionen - Messung und Beurteilung“, die die Vermeidung von Lichtverschmutzung allgemein zum Thema hat, künftig bei sämtlichen Angelegenheiten in der Zuständigkeit des Landes für verbindlich erklärt.  

Abschaltung zwischen 23 und 5 Uhr
Zudem verpflichtet das neue Gesetz künftig Gemeinden zum energieeffizienten und umweltschonenden Betrieb von öffentlichen Außenbeleuchtungsanlagen. Lichtstärke und Dauer der Beleuchtung können dann einfacher auf das aus Sicherheitsgründen gebotene Maß beschränkt werden. „Zu diesem Zweck erhalten die Gemeinden die Möglichkeit zur Erstellung von Beleuchtungskonzepten in Form von Richtlinien“, erklärt Kaineder. Ein Beispiel: Von 23 bis 5 Uhr kann die Beleuchtung dann gänzlich entfallen oder deutlich reduziert werden. Nachsatz: „Der Einsatz dekorativer Beleuchtung in der Weihnachtszeit oder solche, die aus Sicherheitsgründen geboten ist, bleibt erlaubt“, so Kaineder.

Zitat Icon

Diese Umstellung wird umfassend, die Regelung ist bahnbrechend und wir betreten damit Neuland. Sie wird die Lebensqualität der Menschen erhöhen, Energie und damit Energiekosten einsparen. Sie wird die Um- und Tierwelt und auch das Klima schützen.

Stefan Kaineder (Grüne), Umweltlandesrat

„Keine bürokratischen Hürden“
In der FPÖ regt sich angesichts der am Montag vorgestellten Novelle Skepsis. Man unterstütze zwar „grundsätzlich Initiativen, die auf eine vernünftige Eindämmung zugunsten der Bevölkerung, Natur und Umwelt abzielen“, sagt Klubchef Herwig Mahr. Es dürften aber „keine bürokratischen Hürden geschaffen werden, durch die Häuslbauer oder Klein- und Mittelunternehmer faktisch handlungsunfähig werden“. Die Verbindlicherklärung von ÖNORMEN müssten daher noch ausführlich im Ausschuss beraten werden.

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