AUF EIN WORT

Arnold Gabriel: „Wir brauchen Kassenärzte!“

Kärnten
19.06.2023 06:00

Dr. Arnold Gabriel (55) ist seit zehn Jahren Chef über das mit Abstand größte Kärntner Unternehmen: 8000 Mitarbeiter und eine Million „Kunden“. Er leitet die Landesspitäler.

„Krone“:Rund 8000 Mitarbeiter sind in den fünf Landesspitälern in Klagenfurt, Villach, Wolfsberg, Hermagor und Laas beschäftigt. Der Betriebsabgang wird zu 70 Prozent vom Land und zu 30 Prozent von den Gemeinden getragen, die Schulden der Kabeg belaufen sich auf knackige 1,3 Milliarden. Ist das noch finanzierbar? Drohen Leistungseinschränkungen oder gar Standortschließungen?
Dr. Arnold Gabriel: Es droht nichts dergleichen. Da macht uns weniger die Finanzierbarkeit Sorgen als die Ressourcen, die zum Problem werden könnten. Damit meine ich vor allem die Personalsituation, auch der Arbeitsdruck auf das Personal steigt stark.

Auf der Internetseite der Kabeg sind aktuell 27 Facharztstellen ausgeschrieben. Kommt der Ärztemangel in den Spitälern an?
Diese 27 sind eher die normale Fluktuation. Aber es stimmt, in manchen Fachrichtungen herrscht ein Mangel, etwa in der Psychiatrie. Da ist diese Situation europaweit gegeben.

Ich nehme an, die Psychiatrie ist diesbezüglich nicht das einzige Fach...
Dort, wo der niedergelassene Bereich finanziell interessanter ist, wo man eben mehr verdient und man keine Nachtdienste machen muss, ist das für die Mediziner natürlich auch durchaus verlockend.

(Bild: Krone KREATIV, stock.adobe.com)

Soll heißen: mehr Geld für die Ärzte?
Rein übers Geld kann man schon lange nicht mehr steuern. Da geht es auch um Familienfreundlichkeit, um Ausbildungsqualität und Arbeitszeitmodelle.

Was aber eigentlich, zumindest im niedergelassenen Bereich, alles egal sein könnte. Dort sichern doch eh die Wahlärzte die Versorgung der Bevölkerung.
Da bin ich schon anderer Meinung. Das Wahlarztsystem ist in Wahrheit ja die Privatisierung der Medizin. Es garantiert auch nicht die Versorgungssicherheit im Land. Wenn jemand etwas dringend braucht, kommt er ja doch in die Ambulanzen, wo wir bereits eine Million ambulante Fälle pro Jahr versorgen.

ZUR PERSON

  • Dr. Arnold Gabriel
  •  geb. 23. April 1968 wohnhaft in Klagenfurt eine Tochter  
  • Promotion in Wirtschaftswissenschaften  
  • Seit dem Jahr 2014 Vorstand der Kärntner Krankenanstaltenbetriebsgesellschaft, kurz auch „Kabeg“ genannt

Was wäre ihr Lösungsvorschlag für das Gesundheitssystem?
Wir brauchen mehr Kassenstellen, also Ärzte mit Kassenverträgen. Das Wahlarztsystem werden sich immer weniger Menschen leisten können.

Es soll ja auch zu Kliniken „light“ kommen, um das sperrige Wort Primärversorgungszentren zu vermeiden Also Zentren mit mehreren Ärzten unter einem Dach.
Ein entsprechendes Gesetz ist gerade in Begutachtung. Ich sage ganz ehrlich, wir denken daran, an den Standorten unserer fünf Landesspitäler solche Primärzentren als vorgeschaltene ambulante Versorgung zu schaffen. Das überlegen wir uns ernsthaft. Wir brauchen in den Spitälern Entlastung, sonst droht dort der Kollaps.

Welche Vorteile hätten diese Primärzentren für die Menschen?
Der Zugang ist niederschwelliger, die Öffnungszeiten sind länger. Um nur zwei zu nennen.

Zurück zur Kabeg: Da wird mit Leo Murer der langjährige Bürochef von LH Peter Kaiser nun Aufsichtsratschef. Was steckt dahinter? Eine Aufpasserrolle?
Nein, keineswegs. Das hat rechtliche Gründe. Gesundheitslandesrätin Beate Prettner kann es nicht machen, weil sie auch für die Privatspitäler verantwortlich ist. Wir alle und alle Parteien im Aufsichtsrat halten die Gesundheit außer Streit. Sie ist ein viel zu wichtiges und sensibles Gut.

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