Der Grazer Altbürgermeister Alfred Stingl zeigt sich im „Krone“-Interview erschüttert über den aktuellen Zustand „seiner“ SPÖ.
„Krone“: Herr Stingl, Sie waren 18 Jahre lang Grazer Bürgermeister, gelten als das soziale Gewissen der SPÖ in der Steiermark. Wie sehr schmerzt Sie das Bild, das Ihre Partei aktuell abgibt?
Alfred Stingl: Das ist einfach nur furchtbar. Ich fürchte, dass uns dieser ganze Schlamassel großen Schaden zufügen wird. Als ich mit der Straßenbahn gefahren bin, hat es kein anderes Gesprächsthema gegeben. Viele Leute haben mich angesprochen und gefragt, was ich dazu sage.
Und was haben Sie geantwortet?
Dass man die Wahl in Wirklichkeit noch einmal durchführen muss. Jedenfalls müssen jetzt alle Verantwortlichen ihre Fehler eingestehen und gefälligst die Wahrheit sagen. Da bekommt man vielleicht ein paar auf den Kopf, aber schlimmer kann es jetzt ohnehin nicht mehr werden.
Es spricht aus meiner Sicht Bände, dass man Michaela Grubesa schon am Montag allein vorgeschickt hat und alle Männer sich hinter ihr versteckt haben.
Alfred Stingl
Als erste Konsequenz hat Michaela Grubesa als Leiterin der Wahlkommission ja bereits ihren Rücktritt erklärt, reicht das?
Es spricht aus meiner Sicht Bände, dass man sie schon am Montag allein vorgeschickt hat und alle Männer sich hinter ihr versteckt haben.
Sie haben selbst viele Wahlen mitverantwortet, sind derartige Fehler erklärbar?
Nein, das ist nicht erklärbar, so etwas hat es noch nie gegeben.
Glauben Sie, dass Andreas Babler die Partei wieder aufrichten kann?
Das hoffe ich natürlich. Er hat auch gleich klargemacht, dass er dieses Debakel lückenlos aufklären will. Man muss sich aber auch bei Hans Peter Doskozil bedanken, wie er auf diese für alle überraschende Wendung reagiert hat.
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