Es ist Krieg, so viel lässt sich mit Gewissheit sagen. Aber warum genau, das nachzuvollziehen fällt auch in "Modern Warfare 3" schwer. Die ständigen Wechsel zwischen Schauplätzen und Protagonisten lassen selbst den aufmerksamsten Spieler bald den Überblick verlieren, zumal die Story auf den nicht minder verwirrenden Ereignissen der Vorgänger basiert. Die Kurzfassung: Oberschurke Makarov hetzt Russland und die USA aufeinander, versprüht hier und da ein wenig Giftgas und entführt auch noch die Tochter des russischen Präsidenten, um an die für die totale Zerstörung benötigten Nuklearcodes zu gelangen.
In sechs Stunden um die halbe Welt
Dass es dazu nicht kommt, liegt in den Händen zahlreicher tapferer Männer unterschiedlichster Nationen und Spezialeinheiten, die der Spieler bei ihren Einsätzen rund um den Erdball begleitet bzw. befehligt. Das Tempo ist dabei gewohnt hoch: Eben noch in der New Yorker Börse, erleben Gamer nach einem Ausflug unter Wasser eine irrwitzige Fahrt mit der Londoner Metro, tasten sich halb blind durch afrikanische Sandstürme, durchforsten die Pariser Katakomben, stürmen wie einst in der Normandie den Hamburger Hafen, kämpfen in Prag Seite an Seite mit Zivilisten und ballern sich schließlich über Berlin bis ins verschneite Sibirien, um sich rund sechs Stunden später zur Belohnung eine virtuelle Zigarre anzuzünden.
Verschnaufpausen gibt es davor so gut wie keine. Während der Mitbewerber "Battlefield 3" (siehe Infobox) hier und da noch Raum für ruhige Momente lässt, geht es im Activision-Titel nahezu ohne Unterlass von einem Höhepunkt zum nächsten. Explosionen, Geschrei, Chaos – wie in den Jahren zuvor weiß man dabei oftmals zunächst nicht, wie einem eigentlich geschieht. Doch gerade das Erleben dieses ständigen Adrenalinrauschs und des hohen Stresslevels macht auch "Modern Warfare 3" so spielenswert. Da ist es dann auch egal, dass man die diversen Sniper- und Stealth-Einlagen, das Befehligen von Drohnen oder Kampfbombern, Jeep-Fahrten und ähnliches schon zur Genüge gesehen hat. Der Mix aus ständig variierenden Missionszielen und Schauplätzen passt einfach und reißt mit.
Nicht mehr ganz taufrische Optik
Angesichts dessen gerät auch die mittlerweile nicht mehr ganz taufrische Optik zur Nebensache. Sicher: "Call of Duty: Modern Warfare 3" sieht grandios aus, läuft absolut flüssig über den Bildschirm und weiß neben den im wahrsten Sinne des Wortes bombastischen Effekten auch mit kleinen Details zu begeistern. So können Spieler etwa beobachten, wie Autos ein paar Zentimeter "in die Knie" gehen, sobald die Reifen zerschossen werden. Dennoch ist dem Titel zu jeder Zeit anzusehen, dass es sich um ein Spiel handelt. Beim Konkurrenten von EA und dessen Frostbite-Engine ist diese Grenze mitunter nicht immer so deutlich auszumachen.
Viel eher ankreiden als die Grafik sollte man "Modern Warfare 3" aber neben der streng linearen Levelstruktur die Tatsache, dass der Gegnerstrom nach wie vor erst dann versiegt, wenn der Spieler eine bestimmte Stelle im Spiel erreicht hat und dass die eigenen KI-Kameraden bis dahin weitgehend untätig sind. Prescht man allerdings zu schnell vor, wird dies in der Regel selbst in den unteren Schwierigkeitsgraden mit dem virtuellen Ableben bestraft. Dafür muss man den Entwicklern jedoch zugutehalten, dass die Checkpoints äußerst fair gesetzt sind, was Frust erspart und die Motivation hoch hält.
Neue Herausforderungen in der "Spezialeinheit"
Motiviert sollte übrigens auch sein, wer sich unmittelbar nach Abschluss der Kampagne in den überarbeiteten "Spezialeinheit"-Modus wirft. Dieser erlaubt Spielern abermals, sich lokal oder online mit einem Freund für 16 neue zeit- und zielbasierte Missionen zusammenzuschließen und so nach und nach im Rang aufzusteigen. Da gilt es beispielsweise, an Bord eines Atom-U-Boots eine Kernschmelze zu verhindern oder etwa innerhalb eines bestimmten Zeitlimits Geiseln aus den Händen der Entführer zu befreien. Neu hinzugekommen ist dabei der sogenannte Survival-Modus, in dem sich Spieler unendlicher Wellen an Gegnern erwehren müssen.
Da man sich dabei mit den 16 Mehrspielerkarten vertraut machen kann, ist der Survival-Modus zugleich eine optimale Vorbereitung für den Online-Multiplayer, der eine Reihe von Neuerung parat hält. So gibt es zum Beispiel neben einem veränderten Killstreak- und Waffenrangsystem, bei dem sich der Fortschritt einer Waffe durch deren Nutzung entwickelt, auch neue Perks und Modi - allen voran die Variante "Abschuss bestätigt", bei dem Spieler das Ausschalten eines Gegners erst dann vergütet bekommen, wenn sie auch dessen Marke eingesammelt haben, oder der Modus "Teamverteidiger". Hierbei gilt es, den Flaggenträger zu beschützen und dadurch die Punktezahl des Teams zu erhöhen.
Fazit: "Call of Duty: Modern Warfare 3" bietet - wie seine Vorgänger auch - Action pur, und zwar von der ersten bis zur letzten Minute. Langweilig wird es während des gut sechstündigen Streifzuges nicht, auch wenn man alles irgendwie schon einmal gesehen und erlebt haben mag. Welcher Shooter - "Modern Warfare 3" oder "Battlefield 3" - nun die Nase vorn hat, ist eine Frage persönlicher Präferenzen. Der Activision-Titel überzeugt mit seiner mitreißenden Kampagne, hat aber im Vergleich zur Konkurrenz Nachholbedarf in Sachen Optik. Beim umfangreichen und über Monate hinweg motivierenden Multiplayer wird Teamwork im Gegensatz zum Rivalen nicht ganz so großgeschrieben, zudem geht es hier nach wie vor hauptsächlich Mann gegen Mann (und nicht Mann gegen Fuhrpark), was dem Spaß allerdings keinen Abbruch tut.
Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3, PC
Publisher: Activision
krone.at-Wertung: 9/10
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