Für Radweg in Tirol

Parkplätze wie vom Erdboden verschluckt

Tirol
01.06.2023 09:00

Heimlich, still und leise mussten knapp 20 Parkplätze in Innsbruck für einen Radweg weichen. So einiges ist daran kurios. Die Fuß- und Radkoordination der Stadt Innsbruck verteidigt diese Entscheidung, einige politische Parteien hegen hingegen Kritik. 

„Was ist denn bitte hier passiert?“ – Das fragten sich vor kurzem etliche verdutzte Anrainer des Fürstenweges – ehemalige Unterbergerstraße – in Innsbruck. Denn dort, wo noch in der Früh rund 20 Parkplätze waren, gab es am Abend plötzlich einen Radweg: „Ich komme von der Arbeit nach Hause und stelle fest, dass die Parkplätze fehlen. Darüber informiert wurde ich nicht“, sagt ein Anrainer.

„Nun wird es herausfordernder“
Ein weiterer Bewohner fügt kopfschüttelnd hinzu: „Ich wohne in dieser Straße mit meiner Freundin. Bei der Mietwohnung haben wir nur einen Tiefgaragen-Parkplatz dabei – mehr Plätze können nicht gemietet werden –, wir verfügen aber über zwei Autos. Das geht nicht anders, denn wir sind beide beruflich auf das Auto angewiesen. Mit den Öffis hätten wir nicht die geringste Chance, unseren Beruf auszuüben. Daher sind wir auf eine Anrainerparkkarte angewiesen. Nun wird es noch herausfordernder, die Genehmigung für diese Karte zu erhalten.“

(Bild: OpenStreetMap, Krone KREATIV)

Und auch ein dritter Anrainer macht seinem Ärger Luft: „Ich wohne zwar in Innsbruck, arbeite aber im mittleren Zillertal und pendle jeden Tag hin und her. Für mich kommen die Öffis nicht infrage, da die Verbindungen nicht optimal sind. Und ich bin mit Sicherheit kein Einzelfall.“

Gefährliche Situationen sind vorprogrammiert
Wie sieht dieser neue Radweg genau aus? Die „Tiroler Krone“ nahm ihn direkt vor Ort unter die Lupe. Er befindet sich auf einer Einbahnstraße – gefahren wird gegen (!) die Einbahn. Um die 20 Wohnhäuser sind betroffen. Kurios: Beim Wohnhaus 38 hört der Radweg auf, biegt ab, führt zwischen den Haupteingängen von zwei Wohnhäusern mit 38 Einheiten vorbei und mündet in einen anderen Radweg. In einer dieser Einheiten befindet sich die Praxis eines Allgemeinmediziners, im Untergeschoß ist ein Supermarkt. Das heißt: Hier herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Die Radfahrer, die vorbeifahren, müssen hier ihren Drahtesel jedoch nicht schieben, sondern fahren teilweise zügig vorbei. Gefährliche Situationen sind vorprogrammiert.

Zitat Icon

Das ist ein erneuter Alleingang der grünen Verkehrsstadträtin Uschi Schwarzl.

Mariella Lutz (Bild: Christof Birbaumer)

VP-GR Mariella Lutz

Nicht minder kurios: Rundherum gibt es bereits Radwege – siehe dazu die Grafik. Und: Lediglich wenige hundert Meter entfernt befindet sich der Inn – ebenfalls samt Radweg. „Warum benötigt es hier zusätzlich einen Radweg?“, verstehen die Anrainer die Welt nicht mehr.

“Kundmachung per Verkehrszeichen“
Laut der Fuß- und Radkoordination der Stadt Innsbruck seien 14 Parkplätze eliminiert worden: „Für die Verordnungen gemäß StVO sind im Regelfall vorab keine Anrainerinformationen vorgesehen. Eine Verordnung wird per Verkehrszeichen und Bodenmarkierung kundgemacht.“ Es sei die Verlängerung der Radverkehrsachse vom Fürstenweg - Hallenbad Höttinger Au - bis zum Uni-Sportinstitut. „Ein Teilbereich Fürstenweg Höhe Unterbergerstraße über die Bachlechnerstraße bis Sebastian-Kneipp-Straße wird realisiert. Dieses Projekt wurde bei der Behörde eingereicht und nach Anhörungsverfahren die Verordnung gemäß StVO im Sinne der Sicherheit, Leichtigkeit und Flüssigkeit des Radverkehrs erlassen.“ Und: „Der Innradweg sowie die Radwegeachse Ursulinen-Kranebitter Allee sind für das Siedlungsgebiet Höttinger Au Umwege“, heißt es.

Im Bereich des Supermarktes befinde sich ein verordneter Geh- und Radweg. Dieser sei mit dem damaligen Grundeigentümer verhandelt und mittels Dienstbarkeitsvertrag abgesichert worden.

„Das ist ein erneuter Alleingang“
„VP-GR Mariella Lutz ortet “einen erneuten Alleingang der grünen Verkehrsstadträtin Uschi Schwarzl, der wieder zu Lasten der autofahrenden Anrainer„ gehe. Gerald Depaoli (Gerechtes Innsbruck) spricht von einer “giftgrünen Parkplatzmafia„, die wieder zugeschlagen habe. Der Radweg sei “unnötig".

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